Griechenland (Kykladen) - von Syros bis Syros

Syros, Paros, Naxos, Ios, Paros, Syros, Mykonos    (08.06. - 15.06.2002)

Man lernt eigentlich nie aus! Diese zugegeben nicht gerade neue Erfahrung haben wir in diesem Jahr wieder in Griechenland gemacht. Entgegen der in Deutschland üblichen Verteuerung durch die EURO-Umstellung und die gemachten Erfahrungen beim Chartern unseres diesjährigen Schiffes (60 % teurer als noch 2001!!!) konnte man eigentlich nur das Schlimmste erwarten. Aber es kam - wie gesagt- anders als man denkt. Die Preise in Griechenland waren in den vergangenen Jahren nie ganz billig, aber gerade in diesem Jahr wirkten sie auf uns doch eher moderat.

Am 07.06.2002 starten wir wieder gen Griechenland. Wir haben uns als Fluggesellschaft für die Air France entschieden, die für den Hin- und Rückflug von Hannover über Paris CDG nach Athen im vergangenen Jahr nur knapp 500,-- DM haben wollte und damit rund 200,-- DM unter dem Preis der Lufthansa lag!

Der Flug von Hannover nach Paris verläuft komplikationslos, wenn man einmal davon absieht, dass der Bundesgrenzschutz die bei der Fluggesellschaft angemeldeten Automatik-Schwimmwesten sehen möchte. Danach geht es aber los und wir genießen den wirklich guten Service der Air France. Selbst auf der Kurzstrecke gibt es ein gutes Essen mit einer kleinen Flasche Rotwein. Der hastige Genuss dieser Beigabe bleibt nicht ohne Folgen. So ertönt schon vor der Landung in Paris ein munteres ... „ es gibt nur ein‘n Rudi Völler ....“ .

Ernüchterung macht sich dann aber breit, als wir vor dem Gepäckausgabeband am Athener Flughafen stehen und unsere Reisetaschen nicht mitgekommen sind. Offensichtlich gibt es in diesem Jahr insgesamt Probleme am Flughafen in Paris, denn die Anzahl der gestapelten und noch nicht abgeholten Koffer und Reisetaschen der vorletzten Maschine aus Paris ist recht groß. Wir reklamieren und bekommen gesagt, dass die Reisetaschen erst am kommenden Nachmittag in Athen sein werden. So müssen wir uns in Athen ein Hotel suchen und die Nacht sowie den folgenden Samstag im wesentlichen dort verbringen. Hierzu kann man den Bus Linie 94 benutzen, der bis in die Athener Innenstadt fährt. Die Fahrt dauert etwa 1 Stunde, das Ticket kostet 2,90 Euro und darf nur für eine Fahrt benutzt werden. In Athen suchen wir uns ein Hotel (Omiros), gehen am Abend gepflegt essen und besuchen am nächsten morgen die Akropolis. Die Preise für die Besichtigung haben sich aber tüchtig gewaschen. Pro Person werden 12 Euro Eintritt verlangt! Das halten wir für unverschämt und so besuchen nur diejenigen Crewmitglieder die Akropolis, die vorher noch nicht oben waren.

Gegen 13 Uhr setzten wir uns wieder in den Bus Linie 94 und fahren vom Stadtzentrum hinaus zum Flughafen. Nach mehrfachen Interventionen werden wir gegen 14:30 h in den Sicherheitsbereich zum Gepäckband geführt und können –endlich!- unsere Reisetaschen in Empfang nehmen. Anschließend müssen wir uns beeilen, um den Bus Linie 96 zu bekommen, der uns in etwa 1:15 h bis nach Piräus zum Fährhafen bringt. Wir erreichen die letzte Fähre –leider keinen Highspeed-Katamaran- um 17:00 h und erreichen etwa 4 ½ Stunden später unsere Ausgangsbasis Syros. Von Ermoupolis aus nehmen wir ein Taxi Richtung Finikas (kostet nur etwa 5 Euro!) und sind gegen 22:00 h endlich an Bord. Eine Schiffsübernahme kommt um diese Uhrzeit natürlich nicht mehr in Frage, so dass wir etwas traurig darüber sind, einen ganzen Tag verloren zu haben. Wir trösten uns mit einem guten Essen in der kleinen Taverne ‚Acapulco‘ direkt an der Marina, wo wir neben dem leckeren Essen auch –erstmalig in Griechenland!- einen guten Rotwein trinken  „ .. es gibt nur ein’n Rudi Völler ...“.

Abb.: GibSea 43

Die Schiffsübernahme durch den Vercharterer ARGOLIS verläuft wie immer korrekt. Unser Schiff, eine 4-Kabinen-Version der GibSea 43 mit dem Namen ‚AVRORA‘ wurde zwar erst im Dezember 2001 in Dienst gestellt, kommt uns aber schon vor wie ein etwa 2 Jahre altes Schiff. Während Skipper und Co das Schiff übernehmen, hat die restliche Crew die erforderlichen Einkäufe getätigt. Die Preis sind auch hier moderat (Dose Amstel 0,60 Euro, Heineken 0,73 Euro). Wie üblich haben wir unsere Frühstücksgarnitur bereits aus Deutschland mitgebracht.

Am frühen Nachmittag erst verlassen wir Finikas bei völliger Windstille und fahren unter Motor Richtung Paros, der ‚Perle der Kykladen‘. Nach nur winigen Stunden erreichen wir die Nordost-Küste von Paros und gehen in der malerischen Bucht von Santa Maria vor Anker. Das Bad bei einer Wassertemperatur von rund 22 Grad C. ist angenehm erfrischend, wobei uns auffällt, dass das Wetter insgesamt für griechische Verhältnisse im Monat Juni eigentlich ausergewöhnlich kühl ist. Auch fällt uns bereits hier auf, dass sich erheblich weniger Touristen am Strand aufhalten als im letzten Jahr. Dieser Eindruck sollte sich im Verlaufe des Törns noch bestätigen. Gegen abend kommt etwas Wind auf und wir beschließen, nicht vor Anker liegen zu bleiben, sondern noch einen schönen Schlag zu segeln. Gegen 19:00 h lichten wir den Anker und verlassen die Bucht mit dem Ziel, Naxos-Stadt anzulaufen. Dort machen wir mit dem letzten Tageslicht fest.

Abb: Der Yachthafen von Finikas (Syros), mit Mitteln der EU sehr schön ausgebaut. Vielleicht reicht das Geld ja auch irgendwann noch für gescheite sanitäre Einrichtungen!

Mit Mitteln der Europäischen Union wird die Marina derzeit umgebaut. Das bisherige Ergebnis macht einen guten Eindruck auf uns. Die neue Kaimauer vergrößert nicht nur den Innenhafen, sondern hält auch den Schwell, den die permanent ein- und auslaufenden Fähren erzeugen, in akzeptablen Grenzen. Die Stadt selbst präsentiert sich touristisch wie immer, allerdings ist auch auf Naxos der Touristenmangel erkennbar. Gut für uns, denn so wir können uns die Plätze im Restaurant aussuchen. Was Naxos für Segler von allen anderen Kykladeninseln unterscheidet ist die Tatsache, dass es in Naxos-Stadt Mietduschen und Miettoiletten gibt. Man findet dieses Etablissement recht einfach, wenn man in der Verländerung der Pier die Uferstrasse überquert, zwischen den Häusern ein paar Stufen hochsteigt und sich in der nächsten Querstrasse (Fußgängerzone) rechts hält. Die Duschen haben wir nicht ausprobiert, wohl aber die Toiletten. Für die Benutzung der gepflegten Anlage werden uns pro Person 0,20 Euro in Rechnung gestellt. War absolut okay!

Abb rechts: Und da sag’ noch einer, man könne keine interessanten Souvenirs mehr bekommen. Ein Spaß für 10 Euro. (Naxos)

Das dortige Ankermanöver wird uns noch einige Zeit in Erinnerung bleiben. Bei ersten Manöver hält der Anker auf dem überaus festen Sandboden nicht. Beim zweiten Manöver ebensowenig, mit dem Unterschied, dass wir auch noch den Anker des Nachbarschiffes ‚fangen‘. Wir erkennen darüber hinaus auch erst im letzten Augenblick, das der Bolzen im Drehgewinde der Ankerkette gebrochen ist und sich der Anker nur deshalb noch an Bord befindet, weil er sich in der Führung verkeilt hat. Nach einer provisorischen Reparatur mit Ersatzschäkel etc. klappt unser letztes Ankermanöver dann aber reibungslos. Dennoch beschließen wir, unser Abendessen in Sichtweite des Schiffes zu nehmen und suchen uns die ‚Taverna Suzanna‘ aus. Ein Glückstreffer! Besagte Suzanna bietet nicht nur eine tolle Küche und einen guten Rotwein, sondern auch noch einen Fernseher (es läuft immerhin die Fußball-WM!) und spricht dazu noch gut deutsch.

Am nächsten morgen machen wir uns auf, um unser großes Ziel, Santorini, zu erreichen. Dieses Jahr soll es endlich einmal gelingen. Nicht umsonst haben wir als Ausgangsbasis für den Törn Syros ausgesucht und einiges hierfür in Kauf genommen! Leider hat sich das Wetter wieder einmal gegen uns verschworen! Ein Tiefdruckgebiet über Italien sorgt für kräftigen Wind aus südlicher Richtung. Der Wind soll anschließend noch auffrischen und auf nördlich Richtung drehen. Na toll! Nach ausgiebiger Beratung untereinander beschließen wir, trotz der Umstände nach Süden auszulaufen und wenigstens bis nach Ios zu kommen. Die dann verbleibende Zeit sollte in jedem Fall ausreichen, auch bei schlechten Wetterbedingungen unseren Ausgangshafen Syros wieder zu erreichen. Auf dem Weg nach Ios frischt der Wind tatsächlich auf und erreicht etwa 6 Beaufort. Wegen unserer Besegelung (O-Ton Skipper: „sch...s Rollgroß!!“) können wir nicht genug Höhe laufen und müssen einige Male kreuzen, bevor wir kurz vor Einbruch der Dämmerung den Hafen von Ios-Stadt erreichen.

Abb. links: Der Hafen von Ios

In der Nacht werden wir von dem stark in die Bucht drückenden Wind und dem Schwell der großen Fähren, die an der Stirnseite der Mole anlegen und hierzu im Hafen drehen müssen, durchgeschüttelt. In Anbetracht des Wetterberichtes ( nochmals zunehmender Wind 6-7 aus nördlicher Richtung) wagen wir es nicht mehr, den Hauptort der Insel mit dem legendären Nachtleben zu besuchen und machen uns schon früh auf in Richtung Paros, der berühmten ‚Perle der Kykladen‘. Heute müssen wir erkennen, dass ein Wochen-Törn in den Kykladen eigentlich nicht ausreicht, wenn man wirklich etwas mehr von den Inseln sehen will als nur den Hafen.

Erschwerend kommt für uns noch hinzu, dass sich der Wetterbericht als übertrieben herausstellt und wir nur Winde von 4-5 Beaufort haben. Da hätten wir auch noch länger auf Ios bleiben können. Hilft alles nichts! Bei einem super Segelwetter kreuzen wir Richtung Paros und besehen uns dort auf der Südost-Seite zunächst die sehr schön umgebaute Marina von Piso Livadi. Wir legen allerdings nicht an, sondern fahren weiter, um in der Bucht Ormos Trio eine Badepause einzulegen. Das Wasser ist allerdings nur etwa 20 Grad C warm und so dauert der Badeaufenthalt nicht übertrieben lange. Auch der böig einfallende ziemlich kühle Wind ist eher unangenehm, so dass wir anschließend unsere Lieblingsbucht ‚Santa Maria‘ auf Paros ansteuern. Dort baden wir ausgiebig bei 21 Grad. Gegen Abend nehmen wir das Dingi, um in der Taverne der Bucht etwas zu essen. Für den einen oder anderen Segler ist diese Art Überfahrt neu und er begegnet ihr mit unerklärlicher Furcht, aber nach etwas gutem Zureden und der Einsicht, dass nicht alle auf einer Seite des Dingis sitzen können, klappt die Überfahrt reibunglos.

Leider hat der Tavernenwirt wegen der ausbleibenden Touristen seine Taverne im Grunde schon geschlossen. Wir ringen ihm dennoch ein paar seiner kalten Spezialitäten, wie Tzaziki, griechischen Salat und sogar Pommes ab, die er dann auch willig und in großen Portionen aufträgt. Das reicht uns an diesem Abend völlig aus. Nach ein paar Amstel geht es dann wieder auf das Schiff zurück, wo wir eine ruhige Nacht verbringen.

Gegen morgen frischt der Wind wieder auf und als wir uns verabreden, Parikia, den Hauptort von Paros anzulaufen, dreht der Wind folgerichtig auf Nordost, d.h. wir müssen wieder direkt gegenan. Also kreuzen wir bei 6 Windstärken und 2 m Welle Richtung Parikia, wo wir gegen mittag im inneren Yachthafen festmachen. Trotz des vorhandenen Windes, der auch in der Bucht von Parikia für recht kabbeliges Wasser sorgt, liegt man an der Innenseite der Mole von Parikia so absolut sicher und ruhig wie sonst nirgends in den Kykladen. Weil das so ist, kann man sich auch erlauben, das Schiff für längere Zeit zu verlassen und sich z.B. einen Motorroller mieten. Zuvor besuchen wir noch einen alten Bekannten (Alfons), der gegenüber der Pier sein ‚Marina InternetCafe‘ betreibt.

Wir mieten also -wie gewöhnlich- einen Motorroller direkt gegenüber der Marina und fahren als erstes nach Naoussa im Nordosten von Paros. Den Hinweis des Vermieters, auch dann zu tanken, wenn der Tank noch halbvoll ist, überhören wir. Wer die Szene kennt, weiß, dass die Roller grundsätzlich in leerem Zustand übergeben werden und der Tank von den Touristen üblicherweise nie ganz leer gefahren wird. Das restliche Benzin reicht meistens noch für die abendlichen Fahrten der Vermieter.

Da einige Crewmitglieder Naoussa, diesen kleinen schmucken Hafenort allerdings schon mehrfach besucht haben, besehen wir uns nur die übersichtliche Anzahl der an der Pier liegenden Segelyachten und fahren dann eine hervorragende kurvenreiche Strecke Richtung Lefkes. Dieser Ort besticht nicht nur durch seine malerische Schönheit, sondern auch durch die Ruhe, die hier herrscht. Hier kann man wirklich noch in aller Ruhe unter alten Bäumen sitzen, eine Cappucino oder auch anderes trinken und hört noch die Vögel zwitschern. Daneben findet man in Lefkes einen kleinen aber feinen Laden für keramische Artikel, das ‚Ydia-Studio‘, welches weit über Paros hinaus bekannt ist.

Bei der weiteren Erkundung der Insel kommt es an der Fähre nach Antiparos zu einem kleinen Unfall, als ein Crewmitglied Probleme mit dem Gasbaudenzug an seinem Roller hat und einen Wagen rammt. Am Fahrzeug ist merkwürdigerweise kein Schaden erkennbar, aber der Roller hat jetzt eine eingedrückte Nase und das vordere Schutzblech ist abgebrochen. Wie schon zu vermuten war, wird bei der Rückgabe des Rollers und der folgenden Schadensregulierung sofort festgestellt, dass es eine Versicherung natürlich nicht gibt und der Schaden nach vorsichtiger ‚Schätzung‘ des Vermieters mindestens 380 Euro beträgt. Dieser Betrag ist nach unserer Kenntnis völlig überzogen und wir haben für diese Art von Abzocke wenig Verständnis. Nach stundenlangen Verhandlungen und dem Hinweis unsererseits, doch bitte die Polizei einzuschalten, gelingt es unserem Verhandlungsführer, den Schaden auf 200 Euro zu begrenzen. Wir bezahlen aus der Bordkasse (Motto: „Einer für alle, alle für einen“) und haben es jetzt sehr eilig, weil wir uns mit Freunden in Parikia zum Essen verabredet haben.

Bei den Freunden handelt es sich um Karin, eine gute Freundin, die wir noch aus dem ‚Sarnies‘ kennen (vergl. Törn 2000), ihrer Freundin Jolanda aus dem Elsaß und um Rosa aus Athen, die am Strand von Parikia Liegen vermietet. In dieser Zusammensetzung treffen wir uns zunächst im ‚Evinos‘, unserer Ansicht nach das Lokal mit dem besten Blick auf die Bucht von Parikia. Das Lokal mit der schönen Dachterrasse liegt an der Uferstraße schräg unterhalb der fränkischen Kapelle, aber halt hoch genug über der Uferstrasse. Der erhöhte Blick vom ‚Evinos‘ auf die Bucht von Parikia ist wunderschön. Insbesondere die Sonnenuntergänge sind sehr stimmungsvoll, ja fast schon kitschig schön! Wir trinken bei toller Musik –endlich einmal nicht dieses griechische Klingelingeling- das eine oder andere Bier und sind drauf und dran, auf das Abendessen ganz zu verzichten.

Glücklicherweise kommt es anders und uns erwartet das beste Abendessen, dass wir je in den Kykladen hatten. Karin führt uns zu einem Freund, Christos, der ein paar Meter weiter an der Uferstraße ein kleines Restaurant (Taverna Christos) hat. Wie in Griechenland eigentlich üblich, blickt man bei Christos noch in die Kochtöpfe und sucht sich sein Gericht aus. Da wir alle etwas unentschlossen wirken, fragt Christos an, ob es okay wäre, wenn er für uns einfach ein paar Vorspeisen zusammenstellen würde. Wir haben dankbar angenommen und waren völlig begeistert. Es gab gegrillten Tintenfisch, Saganaki, Horta (ähnlich Mangold) in Blätterteig, gegrillte Riesenchamignons in Öl , natürlich Tsatziki und und und ... einfach traumhaft!! Das schon bestellte Hauptgericht hätten wir wirklich weglassen können. Dazu sehr leckeren Rotwein. Unsere nette Begleitung tat ihr übriges, um diesen Abend zum schönsten Abend dieses Urlaubs werden zu lassen. Vielen Dank Euch Dreien! Wir kommen gern wieder. Gegen 02:00 h muss die berufstätige Fraktion dann heim und noch etwas schlafen, während wir es uns noch im Cockpit unserer AVRORA gemütlich machen und bei einem Absacker noch miteinander diskutieren. Erst gegen 05:00 h gehen die letzten schlafen.

Abb. links: ”Tschüs Paros, du Perle der Kykladen!”

Am nächsten Morgen -kaum zu glauben, es ist schon Donnerstag!- bläßt der Meltemi wieder recht kräftig mit etwa 6 Windstärken aus Nord. Wir beschließen, darauf zu warten, dass der Meltemi sich gegen nachmittag etwas beruhigt und erst dann loszusegeln. Während sich einige bei Alfons im ‚Marina InternetCafe‘ via Internet den Wetterbericht vom Deutschen Wetterdienst holen, kaufen die anderen Souvenirs für die Daheimgebliebenen. Nach dem Wetterbericht soll der Wind noch zunehmen. Wir verabreden uns, entgegen unserer Pläne Parikia doch schon früher Richtung Syros zu verlassen. Die Möglichkeit, Richtung Mykonos zu segeln, verwerfen wir schnell wieden, denn von Mykonos ist der Wind meistens noch etwa 1 Windstärke größer als angekündigt. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir, dass sich Karin noch von uns verabschieden wollte, uns aber am Hafen offenbar verfehlt hat. Wir lassen schöne Grüße ausrichten und denken darüber nach, uns für den nächsten Törn eine eigene Flagge machen zu lassen, damit unsere Anwesenheit im Hafen nächstes mal nicht unbemerkt bleibt.

Um 14:30 h verlassen wir unseren Lieblingshafen Parikia auf Paros (der absoluten ‚Perle der Kykladen‘) und Segeln Richtung Syros bei Wind aus N und 2 m Welle. Natürlich versuchen wir wieder aufzukreuzen, aber mit dem Rollgroß fällt das schwer. Wir laufen kaum Höhe. Nach einigen Stunden auf der Kreuz beschließen wir, den Motor zu starten, da Wind und Wellen noch zugenommen haben und der Abend hereinbricht. Wir nehmen auf diesem Kurz reichlich Gischt über und unser tapferer Steuermann ist schon bald nass wie eine Katze. Ablösen lässt er sich allerdings nicht. Seiner Meinung reicht es, wenn einer nass wird! Das verdient unseren Respekt!

Abb.: Über mangelden Wind können wir uns in diesem Jahr wirklich nicht beklagen!

 Mit dem letzten Tageslicht erreichen wir unseren Ausgangshafen Finikas auf Syros und machen um 20:30 h letztmalig fest. Selbst im Hafen pfeift uns der Wind um die Ohren. Nach diesem wirklich harten Tag erleben wir dann im Hafen noch ein Gefühl für den wahren Luxus: Eine heiße Dusche an Bord. Genial!! Beinahe alle Segelfreunde machen von diesem Angebot Gebrauch. Lediglich ein Segelkollege, der kurz zuvor noch flott kalt geduscht hat (was für ein Pech!), verzichtet.

Nach den guten Erfahrungen mit der Taverne ‚Acapulco‘ direkt in der Marina lassen wir den Abend hier ausklingen. Wieder einmal diskutieren wir darüber, ob eine Woche in den Kykladen nicht doch zu wenig ist. Neidisch lauschen wir unserem Skipper, der bereits wieder im September einen 2-wöchigen Törn geplant hat. Bei einigen übriggebliebenen Bieren an Bord unserer AVRORA planen wir bereits den nächsten Törn 2003. Wie jedes Jahr wollen wir dann endlich einmal Santorini besuchen. Schaun mer mal!

Am nächsten morgen (Freitag 14.06.02) kontern einige Mannschaftsmitglieder Überlegungen in Richtung externes Frühstück mit einem Bordfrühstück, dass sich wirklich sehen lassen kann. Es werden Croissants (mit und ohne Schokolade), Rührei mit Speck, Cappucino, Kaffee, Orangensaft und vieles mehr angeboten. Wir genießen unser letztes Frühstück und ein letztes Bad im Mittelmeer. Danach müssen wird unsere Taschen packen. Um 17:00 h holt uns -sehr pünktlich!- zwei Taxis ab und bringen uns nach Ermoupolis.

Dort werden noch 6 Tickerts für die Überfahrt mit der Kat-Fähre nach Mykonos gekauft, die um 19:10 h auslaufen soll. Wir vertreiben uns die Zeit und bummeln durch den wirklich schönen Ort oder trinken eine Kleinigkeit am Hafen. Erst gegen 19:45 läuft unsere Fähre dann tatsächlich aus. Die Route führt via Tinos nach Mykonos. Wir sind begeistert. Es gibt reservierte Plätze, das Schiff ist natürlich klimatisiert und -was wir als sehr angenehm empfinden- trotz des starken Windes (7-8 Beaufort) und der Wellen gleitet das Schiff wirklich sehr ruhig über das Meer.

Abb.oben: Viel Spaß auf der Überfahrt von Ermoupolis nach Mykonos mit einem HighSpeed-Katamaran

Abb. links: Mit dem HighSpeed-Katamaran (hier: Hellas Flying Dophin) werden die Überfahrten von Insel zu Insel zu einem kurzen und komfortablen Vergnügen.

Vor dem Hafen von Tinos erwartet uns eine rauhe See mit Windstärken um 8 Beaufort. Wir sind froh, am Vortag mit der AVRORA nicht noch Mykonos angelaufen zu haben. So erreichen wir Mykonos gegen 21:00 h. Dort legen wir allerdings an der Kreuzfahrt-Pier (vor demYachthafen) an und nehmen einen Bus bis nach Mykonos-Stadt. Das zusätzliche Fahrgeld (40 Cent) wird typischerweise erst beim Aussteigen bezahlt und ist nicht der Rede wert. Unser Rückflug ist für den folgenden Morgen gebucht. Abflugzeit 06:50 h. Während die meisten beschließen, die Nacht in Mykonos durchzumachen, sucht ein Segelfreund eine feste Unterkunft mit Schlafmöglichkeit. Die wird direkt am kleinen Fischerhafen sehr schnell gefunden. Der nette Portier zeigt sich großzügig und deponiert unsere Reisetaschen ebenfalls im Hotel. Nachdem alle Formalitäten erledigt sind, geht es ‚auf die Piste‘. Ungewöhnlicherweise pfeift ein kalter Wind durch den Ort. Hier werden noch letzte Präsente besorgt und nach einem guten Essen geht es wieder mal Richtung ‚Scandinavian Bar‘.  

Hier finden wir wieder unseren obligatorischen Platz direkt auf dem kleinen Balkon. Auch auf Mykonos sind in diesem Jahr deutlich weniger Touristen unterwegs. So dauert es denn auch ziemlich lange, bis sich der kleine Vorplatz vor der Scandinavian Bar füllt. Vielleicht sorgt aber auch der kalte Wind, der durch die Gassen pfeift, für diese Zurückhaltung. Uns macht dies aber alles nichts aus. Da wir auf ein Hotelzimmer verzichtet haben, müssen wir ohnehin durchzufeiern und das Beste draus machen. Bis gegen 04:30 h feiern wir also in der Scandinavian Bar, bevor wir uns aufmachen, um irgendwo noch etwas zu frühstücken. Das erweist sich als völlig unkompliziert, denn von der Crepe-Bude bis zur

Coffee-Bar sind noch etliche Läden auf. Wir frühstücken also noch gemütlich, holen unseren Freund gegen 05:30 h aus seinem Hotel ab und machen uns dann mit zwei Taxis zum Flughafen auf. Dort checken wir noch ein, bevor uns dann in der Abflughalle endgültig die Augen zufallen. Benommen erklimmen wir den Flieger der Olympic, der uns nach Athen bringt.

Abb oben.: Blick auf Tinos (Stadt) vom Achterdeck des Highspeed-Katamarans (wird nur in den Häfen zugänglich gemacht)

Im Athener Airport nicken wir gemütlich weiter, eher wir gegen 09:00 h geweckt werden, um uns ein WM-Länderspiel der Nationalmannschaft anzusehen. Erst nach etlichen Minuten beginnen wir, das Spiel überhaupt wahrzunehmen. Deutschland gewinnt (gegen Paraguay?). Nach dem Spiel sind wir fit genug, um uns an der Salatbar im Athener Flughafen zu bedienen. Danach besteigen wir den Airbus der Air France, der uns nach Paris CDG bringt. Der Flug ist sensationell! Zwei von uns sitzen in unmittelbarer Nähe einer sehr netten Stewardess, die wirklich mit aller Macht versucht, uns betrunken zu machen. In unserer ‚Not‘ verteilen wir sogar die uns zugedachten Getränke (Cognac, Brandy, Likör) an unsere weiter entfernteren Sitznachbarn. Wir sind von Air France hellauf begeistert und machen unserer Freude auch Luft ... „es gibt nur ein’n Rudi Völler“ ...

Abb.: nach durchgefeierter Nacht in der Abflughalle des Airports von Mykonos ...

Wir beschließen, künftig wieder mit der Air France zu fliegen, auf die Flüge innerhalb Griechenlands aber zugunsten der Katamaran-Fähren zu verzichten. Die Fähren sind äußerst schnell, komfortable, preiswert und erreichen im Grunde wirklich jede Insel innerhalb kürzester Zeit. Dafür nehmen wir auch den Bus-Transfer vom Flughafen Athen nach Piräus von 1:15 h gern in Kauf.

Der neue Reisetermin wird ebenfalls vereinbart. Wir wollen mit der gleichen Crew am 31.05.2003 wieder nach Griechenland starten und dann -endlich- Santorini besuchen. Schaun mer mal!

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