Griechenland - von Lavrion bis Syros

Serifos, Paros, Naxos , Mykonos, Syros    (15.09. - 22.09.2001)

Unsere diesjährige Reise beginnt am 15.09.2001 wieder einmal in Hannover. Nach der im letzten Jahr gemachten Erfahrung haben wir uns mehr als nur sehr sehr pünktlich am Flughafen eingefunden, um auf gar keinen Fall in Gefahr zu geraten, den Flieger nicht mehr zu bekommen. Geflogen sind wir dieses mal mit der belgischen SABENA. Drei Tage nach dem schrecklichen Terroranschlag gegen das World Trade Center in New York waren die Sicherheitsvorkehrungen allerdings erheblich verstärkt worden. Unter anderem war es plötzlich trotz einer schriftlichen Zusage der SABENA fraglich geworden, ob wir unsere Automatik-Schwimmwesten mit den Kohlensäurepatronen noch mitnehmen durften. Nach kurzer Rücksprache mit der SABENA am Flughafen Hannover wurde uns die Mitnahme dann allerdings gestattet. Glück gehabt!

Was einen unserer Segelfreunde allerdings geritten hat, ein Taschenmesser im Handgepäck mitzunehmen, konnte nicht abschließend geklärt werden! (Das Messer bereichert jetzt übrigens die Asservatenkammer des Flughafens).

Nachdem der neue internationale Flughafen von Athen in Spata im Mai 2001 eröffnet wurde, verkürzt sich die Anreise zur Charterbasis Lavrion an der Ostseite der Halbinsel Attika um etwa 15 Min. Anstelle der bisherigen 13.000,-- GDr. sind seitdem nur noch 10.000,-- GDr. fällig, zumindest sofern man das Taxi gleich über den Vercharterer organisiert hat.. Der Flughafen selbst ist gigantisch groß. Nähere Infos hierzu gibt’s zum Ende des Reiseberichtes.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich in Lavrion nicht sehr viel verändert. Am Liegeplatz unseres Vercharterers ARGOLIS hat sich insofern etwas getan, dass ARGOLIS nicht mehr in einem kleien klapprigen Wohnwagen, sondern jetzt in einem neuen Container untergebracht ist und dass der Vercharterer jetzt ein kleines etwas abseits liegendes und blitzsauberes Toilettengebäude errichtet hat. Nebenher wurde uns angekündigt, dass Lavrion im Rahmen der Olympischen Spiele im Jahre 2004 Austragungsort für verschiedene Segel- bzw. Surfwettbewerbe sein soll und bis dahin eine große Erweiterung der Marina erfolgen wird..

Die Übernahme unserer „Olympic Star“ einer FEELING 416, gestaltete sich allerdings schwieriger als in den letzten Jahren. Da es sich bei der „Olympic Star“ um ein altes Schiff (1991) gehandelt hat, fiel unsere Überprüfung entsprechend gründlich aus. Bis alle Fehler -vom angerissenen Keilriemen bis hin zum defekten Schlauchboot- behoben waren, vergingen dann auch einige Stunden. Nachdem es endlich geschafft war, konnten wir einkaufen gehen. Viel haben wir nicht benötigt. Mit jeweils 2 Paletten Bier, Cola (Dose 200,-- GDr ~ 1,15 DM) und Trinkwasser sind wir ausgekommen. Kaffee, Marmelade, Wurst, Schinken und Snacks für den kleinen Appetit hatten wir bereits aus Deutschland mitgebracht.

Anschließend gings zum Essen. Ein Lokal in der Ortsmitte bot neben den üblichen griechischen Köstlichkeiten frisch gezapftes “Paulaner” an. Diesem Argument konnten wir uns natürlich nicht entziehen und feierten in T-Shirt und kurzer Hose unseren Start in die kommende Segelwoche.

 Feeling 416

Das frühe Aufstehen am nächsten morgen fiel uns bei strahlendem Sonnenschein nicht schwer. Nach der kleinen Morgentoilette und anschließendem Frühstück haben wir gegen 09:30 h Richtung Sifnos abgelegt. Bedauerlicherweise stand uns bereits jetzt der Wind aus untypisch südlicher Richtung entgegen. Um die Batterie aufzuladen und dem Kühlschrank die nötige Kühlung zu verschaffen, mußten wir in der ersten Stunde auf das Segeln verzichten und sind unter Motor zunächst Richtung Kythnos gefahren. Dort wollten wir an der bekannten Sandbarre eine kleine Badepause einlegen und danach weiter Richtung Sifnos segeln. Wie an jedem Sonntag waren beide Buchten von großen Motoryachten und einigen Seglern gut besucht. Neu ist eine kleine Taverne, die man bedauerlicherweise auch mit dem Auto oder dem Motorroller besuchen kann. Von beschaulicher Idylle also keine Spur. Das Wasser war trotz allem kristallklar und im September auch etwa 25-26 ° C warm, also genau richtig, um ausgiebig zu baden.

Nach einer ruhigen Nacht und einem schnellen Frühstück an Bord machen wir uns auf Richtung Santorini. Noch sind wir ziemlich optimistisch, dass wir unser Ziel trotz der widrigen Umstände erreichen werden. Der Wind weht recht frisch (5-6) und auch die See ist ziemlich rauh (mit 3 m hohen Wellen). So kommen wir um das Reffen nicht herum und setzen anschließend unsere Reise Richtung Santorini fort. Das Steuern bei diesen Bedingungen ist alles andere als angenehm, da die hohen Wellen schläg achterlich durchlaufen. Daneben dreht auch die Wind langsam auf SSO, so dass die Chancen, Santorini anzusteuern, immer schlechter werden. Nachdem wir auch unser zwischenzeitliches Ziel, eine Bucht südöstlich von Antiparos anzusteuern aufgrund der veränderten Windverhältnisse aufgeben müssen, beschließen wir, Naossa auf Paros ‚der Perle der Kykladen‘ anzusteuern. Am Pier des kleinen Ortes haben naben uns zwei Bavaria 42 festgemacht, beide besetzt mit englischen ‚Oldtimern‘. Zunächst gönnen wir uns ein kleines Bad am nehegelegenen Strand (Sand und Kies) bevor wir von Bord aus life erleben, wenn der ‚Kollege Hornblower‘ von nebenan versucht, etwa 20 l Diesel in seinen 5-l Kanister abzufüllen oder einer seiner betagten Mitsegler nur mit Mühe über die wacklige Gangway das rettende feste Ufer (Kaimauer) erreicht. Auf der anderen Seite: Hut ab vor einer Crew, die mit einem Durchschnittsalter von über 70 Jahren noch so aktiv ist!

Parikia auf Paros, der “Perle der Kykladen”

Anschließend gings weiter Richtung Sifnos. Der Wind hatte inzwischen aufgefrischt und blies mit Stärke 4-5 weiter aus Richtung SSW. Dennoch konnten wir die Segel setzen (klassisch, ohne Rollgroß!) und einige Schläge segeln. Wegen der ungünstigen Segelbedingungen haben wir uns aber unterwegs dazu entschlossen, uns nicht gegen Wind und Wellen bis nach Sifnos zu quälen, sondern bereits Serifos anzulaufen.

Der Hauptort Livadi liegt in einer tief eingeschnittenen Bucht und verfügt über einen malerischen kleinen Hafen ohne geteerte Hauptstraße mit vielen gemütlichen Restaurants und Kneipen. Man sitzt in der Regel direkt am Wasser und hat einen herrlichen Blick auf die Bucht. Die eigentliche Chora wirkt aus der Ferne wie eine an einen Hang geklebte Seevogelkolonie. Die kleinen weißen Kubenhäuschen ziehen sich malerisch einen Bergrücken hoch. Bedauerlicherweise waren wir sehr spät dran und mussten deshalb auf einen Besuch der Chora verzichten. Wir werden das sicher irgendwann noch nochholen.

Der kleine Hafen von Livadi auf Serifos mit wunderschönem Blick auf die Chora.

Blick auf Naoussa im Nordosten von Paros, ein malerisches kleines Hafenstädtchen im typischen Kykladenstil.

Einmal auf Paros angelangt wollen wir natürlich auch dem Hauptort Parikia einen Besuch abstatten. Dort waren wir im letzten Jahr mehrere Tage ‚eingeweht‘ und haben in dieser Zeit die Insel erkundet und einige nette Leute kennengelernt. Auch unsere damalige Stammkneipe ‚Sarnies‘ steht auf unserem Besuchsplan. Wir beschließen, uns für die 3-4 Stunden einen Motorroller zu mieten. Das stellt sich aber als kompliziert heraus, denn die zuerst angesprochenen Vermieter im Ortszentrum wollen uns den Roller nur für einen ganzen Tag vermieten. Wir lehnen ab und gehen Richtung Ortsausgang. Dort gibt es ebenfalls eine verhältnismäßig große Rollervermietung. Der Vermieter ist ein netter Bursche und wir werden uns einig. Allerdings sollen wir bis 21:30 h wieder in Naoussa sein. Das sagen wir zu.

In Parikia angekommen, macht sich schnell eine gewisse Ernüchterung breit. Die Innenstadt ist regelrecht leer gefegt. Nur im Bereich des Fährhafens ist ähnlich viel los wie im vergangenen Jahr. In unserer Stammkneipe ‚Sarnies‘ sitzen die neuen Pächter allein vor der Tür und auch im Restaurant ###### sind wir gegen 19:00 h noch die alleinigen Gäste. Wie wir später erfahren, sind die Kykladen im Jahr 2001 von etwa 40% weniger Gästen besucht worden, was letztendlich dazugeführt hat, dass die Saison bereits Ende September und nicht wie sonst erst Ende Oktober zuende gegangen ist. Für Parikia bedeutet dies, dass viele kleine Kneipen und Restaurants in ihrer Existens bedroht sind, denn inzwischen stehen immer mehr Läden immer weniger Touristen gegenüber.

Am folgenden Tag –der Wind bläst mmer noch recht kräftig aus SSO- müssen wir auch unser Ziel Ios, südlich von Paros, aufgeben, da wir unseren Zeitpuffer inzwischen aufgebraucht haben und der Termin der Schiffsübergabe in Finikas auf Syros ansonsten in Frage gestellt würde. Wir nutzen den Tag, um in der herrlichen Bucht von Santa Maria vor Anker zu gehen und den Tag als Bade- und Faulenzertag zu betrachten. Nachdem das Boot fest vor Anker liegt, wird unser kleines Beiboot klar gemacht und wir setzen zum Strand über. Bedauerlicherweise hat die Bedienung der kleinen Palmenbar, die noch im vergangenen Jahr den Umsatz ankurbelte und den einen oder anderen vom baden abhielt, frei. Wir mieten daraufhin Sonnenliegen, planschen im Wasser herum, essen und trinken gut in der kleinen Taverne (typisch griechisch mit Blick in die Kochtöpfe) und spielen in brütender Hitze Volleyball. Im nordosten der Bucht ist vor mehreren hundert Jahren eine Stadt versunken. Tauchgänge in die versunkene Stadt bietet eine am Strand ansässige Tauchschule an. Ob sich ein Tauchgang lohnt, haben wir aber nicht feststellen können.

Nach einer ruhigen Nacht springt die komplette Mannschaft bereits morgens um 07:00 h und damit noch vor dem Frühstück in das warme Meer. Danach gibt’s ausnahmsweise einmal ein deftiges Frühstück (Spiegeleier auf gebratenem Schinken). Ein traumhafter Start in den Tag! Bedauerlicherweise ist uns der Wind auch an diesem Tag nicht gut gesonnen. Er hat über Nacht gedreht und weht mit 3-4 aus Richtung NO. Da wir zum einen nicht weiter nach Süden segeln können, uns andererseits die Ministrecke nach Naxos für einen Segeltag nicht ausreicht, verabreden wir, zunächst einen Kurzbesuch auf Naxos zu machen und dann nach Mykonos weiterzusegeln.

Obwohl beinahe alle Kykladenreisende Naxos als eine der allerschönsten Kykladeninseln bezeichnen, waren wir –zumindest vom Hauptort  Naxos-Stadt- eher enttäuscht. Fairerweise muss allerdings gesagt werden, dass wir auch nur wenige Stunden auf Naxos waren und die Zeit zum genaueren Kennenlerner damit natürlich fehlte.

Die Kaimauer zum Yachthafen wird derzeit erneuert und in der ohnehin schmalen Passage zwischen Kaimauer und Ufer lagen zudem noch einige Pontons, woraufhin wir an der Außenseite des Kais angelegt haben. Dort sollte man reichlich Kette stecken und genug Abstand von der Kaimauer lassen, denn wie überall in Griechenland erzeugen die permanent ein- und auslaufenden Fähren gnadenlos viel Schwell.

Ein ‘anstrengender Segeltag’ neigt sich in der malerischen Bucht von Santa Maria seinem Ende zu ...

Die stark nachlassenden Besucherzahlen im September 2001 sorgen auch auf Naxos dafür, dass Touristen vor beinahe jeder Kneipe zum Einkehren animiert werden. Wir lassen uns aber nicht beirren und durchstreifen die Altstadt hiervon äußerlich unbeeindruckt. Ein Novum: Gegen Entgelt wird in der Altstadt –eine Strasse oberhalb der Promenade gegenüber dem Kai- die Toiletten- und Duschbenutzung angeboten. Alles sauber und ok.

Wenn man schon mal auf Naxos ist, gehört ein Besuch der Top-Sehenswürdigkeit, dem berühmten Tempeltor, natürlich zum Programm. Nebenbei hat man von der vorgelagerten Landzunge, auf der das Tempeltor steht, einen wunderschönen Blick auf Naxos Stadt. In der Nachsaison hielt sich der Trubel noch in Grenzen, ließ aber dennoch erkennen, wie voll der Hauptort in der Hauptsaison sein muss. Zahlreiche Fähren steuern die Insel an und ‚spucken‘ riesige Touristenströme aus.

Froh darüber, dass während unserer Abwesenheit von Bord trotz des heftigen Schwells (sh. oben) nichts passiert ist, legen wir wieder ab und segeln Richtung Mykonos. Sofern die Zeit reicht, planen wir noch einen kurzen Badeaufenthalt unterswegs ein. Inzwischen hat der Wind wieder aufgefrischt und bläßt mit 4-5 Windstärken weiterhin aus NO.

Aufgrund der schon fortgeschrittener Stunde wird beschlossen, keine Ankerbucht mehr anzulaufen und wir halten direkt auf den kleinen Yachthafen –etwa 2 sm nördlich von Mykonos-Stadt- zu.Das war unser Glück, denn der kleine Yachthafen nördlich von Mykonos ist bei unser Ankunft schon beinahe voll. Wir quetschen uns zwischen zwei Yachten und machen gegen 16:00 h fest. Neben uns macht kurze Zeit später eine 41-Fuß Yacht mit insgesamt 10 (!) Segelfreunden aus Ungarn fest.

Nach dem Anlegen verläßt der ungarische Skipper für etwa eine halbe Stunde das Schiff. Während dieser Zeit löst sich unglücklicherweise aber der Anker und die ungeübte Crew bittet uns um Hilfe. Kurze Zeit später liegt das Schiff endgültig vor Anker und nur wenig später betritt eine kleine ungarische Delegation unser Boot und macht uns zum Dank mit Bacardi und Williams Christ bereits im Hafen betrunken. Singend und mit viel Schwung fahren wir wenig später mit dem Bus nach Mykonos-Stadt.

Bedauerlicherweise existiert das kleine Restaurant direkt am Wasser mit Blick auf ‚Little Venice‘, in dem wir im vergangenen Jahr ausgesprochen gut gegessen haben, nicht mehr. Wir nehmen das nächstgelegene und erheblich größere Lokal und begnügen uns mit einem 0815-Essen. Das Lokal ist trotz der Jahreszeit ziemlich voll. In dieser Zeit wird die Insel überwiegend mit amerikanischen, neuseeländischen und australischen Tourischen bevölkert.

Aber auch hier wird schnell deutlich, dass in diesem Jahr die Saison eigentlich schon zu Ende geht.

Das Tempeltor, Wahrzeichen von Naxos

Im Zentrum des Partyvergnügens, der ‚Scandinavian Bar‘ bemerkt man davon allerdings nichts. Der kleine Balkon ist sogar ‚vorgebucht‘ und wir haben etwas Glück, dort noch einen (der beiden!) Tische zu ergattern. Wie schon im Vorjahr geht hier wieder gnadenlos die Post ab. Es wird getanzt und Ouzo getrunken bis in die frühen Morgenstunden. Mit einer kleinen Gruppe gut gelaunter Leute (Mahash –angeblich Börsenmakler aus New York- und einige deutsche Studentinnen aus MV) ziehen wird noch in die Discothek ######. Dort bläst uns die Techno-Mucke aber schnell wieder nach draussen und wir beschließen, noch einen Absacker am Hafen im ‚Yachtclub‘ zu nehmen. Letztes Jahr hieß der Laden noch ‚Last Chance-Bar‘. Im Vergleich zum Vorjahr laufen aber in dieser Nacht nur wenige völlig abgefahrene Leute herum. Gegen 06:00 h verabschieden wir uns von unseren neuen Bekannten, schnappen uns ein Taxi und fahren zurück zum Yachthafen.

Sonnenuntergang auf Mykonos mit Blick auf den kleinen Fischerhafen (Mykonos-Stadt)

Nach dieser durchfeierten Nacht stehen wir gegen 10:00 h auf, frühstücken gemütlich und machen uns auf Richtung Tinos. Der Wind bläst weiterhin frisch mit 4-5 Windstärken aus NNO. Unter Segel auf einem widerlichen Schaukelkurs halten wir Kurs auf Tinos-Stadt. Zwischen Mykonos und Tinos schaukeln sich die Wellen erheblich weiter auf und wir korrigieren den Kurs, um diese Passage wenigstens einigermaßen magenfreundlich zu gestalten.

Um noch etwas Schlaf nachholen zu können, wollen wir uns in die Ankerbucht ’Ormos Schino’ im Nordosten der Insel Rineia legen und dort eine Bade- und Schlafpause einlegen. Versuche, bei diesen Windverhältnissen in der ansich sehr romantischen Ankerbucht zu ankern, schlagen leider fehl, da der Anker auf Sand und Steingrund einfach nicht hält. Wir beschließen, die Bucht zu verlassen und Tinos-Stadt etwas früher anzulaufen. Wie bereits in Radspieler’s Törnführer Griechenland beschrieben, ist Tinos-Stadt bei kräftigen nördlichen Wind nur sehr schwer anzusteuern. Auch uns machen die teilweise äußerst heftigen Böen erheblich zu schaffen. Nachdem wir uns einige Zeit an Tinos-Stadt geradezu herangekämpft haben, verzichten wir auf größere Risiken, fallen ab und steuern Syros an. Nach kurzer Beratung wird die Ankerbucht ‚Ormos Vari‘ im Südosten der Insel anvisiert. Die Bucht ist bei nördlichen Winden sehr gut geschützt und der Ankergrund besteht aus gut haltendem Sand. Gegen 16:00 h werfen wir dort den Anker. Zur Sicherheit und um das Schwojen etwas zu reduzieren bringen wir einen zweiten Buganker aus.

Abends fahren wir mit unserem kleinen Schlauchboot zu viert an den Strand in ein kleines und zu dieser Jahreszeit reichlich leeres Restaurant (direkt rechts vom kleinen betonierten Bootssteg). In der gegenüberliegenden kleinen Bar haben sich zu dieser Zeit 3-4 Leute verlaufen. Der Wirt dort verliert die Nerven und macht gegen –22:00 h den Laden zu. So bleiben wir bei einem recht ordentlichen Essen und anschließendem Bierchen im Restaurant sitzen und genießen die Ruhe. Nebenbei zu erwähnen: Die Toiletten im Restaurant waren gut und sauber. Während wir noch essen, legt ein Fischer parallel zum Strand und in der gesamten Breite der Bucht sein Netz aus. Aber kein Grund zur Sorge. Nur etwa eine halbe Stunde später holt es sein Netz wieder ein und wir können mit unserem Schlauchboot wieder zurück zu unserer ‚Olympic Star‘ fahren.

Am nächsten morgen erklärt sich ein Crewmitglied bereit, im Ort Brötchen zu holen. Bedauerlicherweise hat der kleine Supermarkt am Strand geschlossen. Ein kurzer Gang durch den Ort zeigt: hier sind nur die wenigen Strandrestaurants und eine kleine Siedlung. Eine offensichtlich ausschließlich französich sprechende Dame (mit Pudel) versucht mit Handzeichen in wenigen Worten („main, main ...“), den Weg zum Bäcker zu erklären. Auf dem Weg zum besagten Bäcker wird den orientierungslose Segler kurze Zeit später von der gleichen Dame (mit Pudel und Sohn) im Auto mitgenommen. Nach 4-5 Minuten Fahrzeit!! steht der Segler dann direkt vor der Bäckerei, kauft ein paar Brötchen und läuft die 3-4 Kilometer wieder zurück!! Da hat man sich das Frühstück aber wirklich verdient!

Nach dem Frühstück lichten wir den Anker und während einer der Segelfreunde noch ein ‚Rückwärtsfahrt-Praktikum‘ macht, beschließen wir, den Tag noch einmal so richtig zu segeln, bevor wir dann in Finikas (ebenfalls auf Syros) einlaufen und unser Schiff für dieses Jahr endgültig festmachen. Der Wind bläst immer noch recht kräftig mit 4-5 Windstärken aus nördlicher Richtung. Dabei ist es nach wie vor richtig warm (um 28 º C.) so dass das Segeln einen Riesenspaß macht. Wir kommen mit über 8 Knoten gut voran. Als wir aus der Landabdeckung der Insel Syros herauskommen, nimmt der Wind auf etwa 5-6 Windstärken zu und wir müssen reffen. Wir bringen das Schiff in den Wind und gehen ins 1. Reff. Bereits nach kurzer Zeit stellt sich aber heraus, dass das 1. Reff nicht ausreicht und wir gehen mit dem Schiff wieder in den Wind für das 2. Reff.

Finikas auf Syros. Ein Yachthafen mit sehr guter Wasser- und Stromversorgung.

Bei dieser Aktion bricht uns –offensichtlich durch eine starke schräg unter dem Schiff hindurchlaufende Welle- unsere Ruderanlage und Skipper Bernd muss in einer Blitzaktion die Notpinne montieren. Das Manöver klappt sehr schnell und wir sehen keine andere Lösung mehr, als Finikas (noch 3-4 Seemeilen) anzulaufen. Für uns war es das erste mal, dass wir die Notpinne benutzen mussten. Man braucht auch eine gewisse Zeit, bis man sich an die ungewöhnlich direkte Steuerung zu gewöhnen, von der Kraftanstrengung mal ganz zu schweigen. Wir bekommen das aber gut in den Griff und legen mit Notpinne ein blitzsauberes Anlegemanöver hin. Gegen 14.00 h machen wir in Finikas fest.

Seit dem letzten Jahr hat sich in Finikas einiges getan. So ist die Pier inzwischen komplett fertiggestellt. Das bedeutet, die Wasser- und Stromversorgung ist jetzt so perfekt ist wie man das aus Ostseehäfen kennt. Was sich leider seit dem vergangenen Jahr leider nicht verändert hat sind die katastrophalen Toilettenanlagen. Nur was für Hartgesottene! Nach Gespächen mit der Vertreterin des Vercharterers und einer Reparatur der Ruderanlage machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle (aus dem Hafen heraus bis zur Hauptstrasse und dort etwa 20 m auf der rechten Seite). Per Bus fahren wir nach Ermoupolis, dem Verwaltungszentrum der Kykladen.

Zwischenzeitlich haben wir das kristallklare Wasser im Hafen genutzt, um letztmalig in diesem Urlaub noch einmal ausgiebig zu baden und zu tauchen.

Die Fahrt im Bus bietet gleich mehrere Vorteile. Zum einen kostet sie pro Person nur 280 GDr. und zum anderen sieht man gleich etwas von der Gegend. Schön ist der Blick auf Ermoupolis, nachdem man den letzten Hügel hinter sich gelassen hat und in Serpentinen auf die Stadt zufährt.

Verwinkelte Gassen mit vielen kleinen Restaurants in Ermoupolis

Ermoupolis auf Syros, das Verwaltungszentrum der Kykladen..

 Die Busse Richtung Finikas fahren um 20:30 h und 22:30 h. Wir verabschieden uns von Ermoupolis bereits gegen 21:30 h und beschließen, nicht mehr auf den Bus zu warten und ein Taxi zu nehmen. Für 3.000.- GDr. bringt uns der Fahrer wieder zurück zum Yachthafen nach Finikas. Dort nehmen wir noch einen Absacker an Bord und kommen anschließend nicht umhin, auch unsere Reisetasche für die Abreise am nächsten morgen zu packen.

Nach einer eher flüchtigen Übergabe des Schiffes an einen Vertreter des Vercharterers -ein lockiger Dondolo, dem man die durchzechte Nacht noch deutlich anmerkte- machen wir uns mit Gepäck auf zu einer kleinen, feinen Taverna an der Zufahrt zum Yachthafen, um noch einmal vernünftig zu frühstücken. Das Frühstück war absolute Spitze. Frisch gepresster Orangensaft, Spiegeleier und gebratener Speck. Hervorragend! Auch die restlichen abreisenden Segler machen von diesem Angebot Gebrauch. Anschließend wird noch ein Taxi zum Flughafen bestellt. Interessant: bei der Bestellung des Taxis wird die Taxinummer genannt und damit fest reserviert. Die Fahrt zum Flughafen nimmt fast eine halbe Stunde in Anspruch. 

 Die Fahrt zum Flughafen von Syros nimmt beinahe eine halbe Stunde in Anspruch und kostet uns 10.000,- GDr. Der Flughafen ist winzig und besteht aus einer kleinen Abfertigungshalle mit Kiosk. Aufgrund der Ereignisse in New York wird aber auch hier unser Gepäck gründlich untersucht. Dann aber wurde wir auf das Flugfeld gelassen, wo eine Turboprop-Maschine der Olympic Airlines wartete.

Der kleine Flughafen von Syros

 Wir selbst sind auch etwas nervös. Ohne die Nachrichten genau verfolgt zu haben (haben die Amerikaner bereits zurückgeschlagen?) sehen wir uns unsere Mitreisende schon etwas genauer an. Der Flug selbst verläuft bei strahlendem Wetter aber glatt und wir landen bereits eine Stunde später auf dem neuen Großflughafen Athens.

Da wir vermeintlich viel Zeit haben, trinken wir noch ein Bierchen zusammen und denken darüber nach, noch einen Happen essen zu gehen. Im Gegensatz zu dem bisherigen Flughafen in Athen bietet der neue Flughafen ‚Eleftherios Venizelos’ jede Menge Möglichkeiten, zu essen und zu trinken oder irgendwie anders die Zeit zu vertreiben.

Glücklicherweise sind die Eßlokale aber all so voll, dass wir darauf verzichten und uns lange vor der eigentlichen Zeit zum Gate aufmachen. Den Weg durch das Labyrinth des Flughafens haben wir allerdings völlig unzerschätzt! Der Weg von der Abflughalle zum Gate ist kilometerweit. Trotz der überall präsenten Laufbänder dauerte es etwa 20 Minuten, bis wir die Passkontrolle erreicht haben. Und hier erwartet uns schon der nächste Schock. Vor uns warteten bereits etliche Reisende -eine Schlage von etwa 30 m Länge!-, von denen jeder einzelne genauestens kontrolliert wurde. Hierfür wurde ganze zwei Zollbedienstete eingesetzt! Auf deutsch: es ging einfach nicht weiter!!

Da uns inzwischen die Zeit davonlief -in einer Viertelstunde sollte das Gate schließen- waren wir gerade dabei, uns vorzudrängeln, als durch glückliche Fügung ein weitere Druchgang geöffnet wurde. Hier standen wir nun ganz vorne und haben es tatsächlich noch geschafft, unseren Flieger nach Brüssel zu kriegen. Fazit: Bei der Größe dieses Flughafens -aus meiner Erfahrunf ist nur Palma de Mallorca ähnlich weitläufig- sollte man mindestens 45-60 Minuten für den Weg von der Abflughalle bis zum Gate einkalkulieren. Aber hier müssen sowohl die Reisenden als auch die Zöllner noch einige Erfahrungen machen, bis wirklich alles rund läuft. 

Erfreulich war wieder der Rückflug mit der Sabena über Brüssel mit Weiterflug nach Hannover. Es gab nichts zu beanstanden und auch die Koffer, die wir bereits auf dem Flughafen auf Syros eingecheckt haben, werden uns tatsächlich in Hannover ausgehändigt. Das haben wir auch schon anders erlebt (sh. Törn 2000).

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