Griechenland - Saronischer Golf

17.10. - 24.10.1998

Athen (Kalamaki)  Aegina (Perdika)  Poros   Hydra  Poros   Aegina (Aegina-Stadt)  Athen (Akropolis)

Laßt Euch nicht verschaukeln! Wie oft haben wir uns das vorgebetet und wie wenig hat es genutzt! So sollte die Fahrt vom Flughafen Athen bis zum Yachthafen Kalamaki nicht mehr als 1.500 GDr. kosten! Das Mehrfache dessen mußten wir blechen! Und es sollte nicht das einzige Lehrgeld bleiben, was wir zu zahlen hatten ...

Unser Törn beginnt im Yachthafen Kalamaki (Athen). Die Fahrt mit dem Taxi vom Flughafen Athen dauert etwa 10 Minuten. Vor dem Flughafen treffen wir auf einen freundlichen Herrn mit einem Kleinlaster, der uns allesamt zum Yachthafen fährt. Dort nimmt er uns den Spottpreis von 8.000,-- GDr. ab, freut sich über das gute Geschäft und macht anschließend Feierabend! Wir erfahren beim Vercharterer NOMICOS, der übliche Preis für eine Taxifahrt vom Flughafen zum Yachthafen Kalamaki sei 1.500,-- GDr. Die Übernahme der ´´ELENA´´, einer Bavaria 35H, durch den Stationsleiter von NOMICOS verläuft professionell und komplikationslos. Nach Abschluß der Übernahme müssen noch die nötigen Lebensmittel gebunkert werden. Sofort ist ein weiterer freundlicher Herr in der Nähe und bietet an, uns mit seinem wie zufällig vorhandenen Kleintransporter zu einem Supermarkt zu fahren. Unterwegs erklärt er, er führe nicht zu einem normalen, teuren Supermarkt in der Nähe. Nein! Er fuhr uns zu einem Bekannten, der absolut überteuerte Waren in seinem Keller verkauft. Nachdem auch diese Hürde genommen ist, kommt gegen Abend Hunger auf. Ein freundlicher Taxifahrer, der bereits am Kai bereitsteht, rät uns davon ab, hier in Hafennähe etwas zu essen. Schließlich sei es hier einfach überteuert. Er bietet an, uns zu einem kleinen netten Restaurant in der Stadt zu fahren.... Genau! Es hat uns ein kleines Vermögen gekostet!

a_Ny1_b1
a_Ny1_b2

Pinienduft und kristallklares warmes Wasser: eine traumhafte Badebucht im NO der Insel Ankistrion

oben: Der Yachthafen Kalamaki

Am nächsten Morgen verlassen wir den Yachthafen von Kalamaki in Richtung Aegina. Es herrscht Flaute, wir fahren unter Motor. Da man auf dem Weg nach Aegina die sehr stark befahrenen Zufahrt zum Hafen von Piräus passieren muß, herrscht besondere Aufmerksamkeit an Bord. Schnell sind wir hindurch und erreichen eine offensichtlich beliebte Badebucht auf der NO-Seite der Insel Ankistrion. Wir ankern auf etwa 5 m Wassertiefe. Ankergrund ist Sand. Das Wasser in der kleinen Sandbucht ist kristallklar und etwa 25 Grad Celsius warm. Von der Insel weht ein herrlicher Pinienduft herüber. Wir genießen ein ausgiebiges Bad im warmen Meer und machen uns zu Abend hin wieder auf, um Perdika im Südwesten von Aegina zu erreichen.

Perdika ist ein fast niedlich zu nennendes Dorf mit seinem kleinen Fischerhafen mit einer kleinen Kapelle und ein paar gemütlichen Restaurants in Hafennähe. Im nahegelegensten Restaurant unmittelbar oberhalb des Kais testen wir die griechische Küche und den griechischen Wein. Das Essen (Standard: Tzaziki, griechischer Salat, Souflaki) war wirklich in Ordnung, der Wein (vom Faß) aber absolut ungenießbar. Für heute wird nur noch Bier und Ouzo bestellt. Gegen 21.00 Uhr macht sich die anstrengende Anreise bemerkbar und wir beschließen, heute sehr früh schlafen zu gehen. An Bord nehmen wir noch einen Schlummertrunk -noch gibt es echte `Duty free Schnäppchen´- und fallen schlußendlich etwas alkoholisiert gegen 02.00 Uhr morgens in die Federn. Es zeigt sich, daß bei den herrschenden Außentemperaturen ein einfaches Bettlaken als Zudecke völlig ausreicht. Der mitgebrachte Schlafsack ist überflüssig!

Bei strahlendem Sonnenschein aber leider ohne den nötigen Wind verlassen wir Perdika. Unser Ziel ist die Insel Poros. Auf dem Weg dahin irritiert uns ehemalige Ostsee-Segler der plötzlich aussetzende Tiefenmesser, bis wir feststellen, daß dieser aufgrund der großen Wassertiefe kein Echo mehr empfängt. Kurz vor Poros-Stadt legen wir in der wunderschönen aber etwas engen Ankerbucht auf der Südseite der kleinen Insel Poros an. Die permanent drehenden Winde machen das Ankerliegen sehr schwierig. Das Wasser ist zeimlich aufgewühlt, so daß es nicht einmal möglich ist, den Halt des Ankers beim Schnorcheln zu überprüfen. So lassen wir eine Ankerwache an Bord und gehen kurz an Land um die freundlich wirkende Strandbar zu inspizieren. Leider ist diese schon wegen der Nachsaison geschlossen.

Ny1_b4
a_Ny1_b11

Wir nehmen noch ein Bad im Meer bevor wir die Ankerbucht wieder verlassen. In der Ferne lockt Poros, eine wunderschöne auf der gleichnamigen Halbinsel angelegte Stadt. Wenig später machen wir am Anlegekai auf der Nordwestseite von Poros fest. Hier ist sehr viel Kette zu stecken, da die hier ankernden Boote dem Schwell der permanent hin- und herfahrender Fähren ausgesetzt sind. Dafür befinden sich die kleinen Restaurants in unmittelbarer Nähe. Gleich eines der ersten Restaurants an der Uferstraße findet unsere Zustimmung, nachdem uns ein freundlicher Kellner auf die Vorzüge seines Restaurants (echter Holzkohlegrill!) aufmerksam machte. Die wirklich ausgefallenen Speisen (z.B. in Folie gebackenes Lammfilet u.a.) rissen mit ca. 7.000 GDr. (etwa 40,-- DM) pro Person wieder ein großen Loch in die Bordkasse! Wir nehmen uns vor, daß nächste Mal nicht direkt in der 1. Reihe zu essen, sondern uns im Innern der Stadt ein kleines günstiges Restaurant zu suchen. Am nächsten Morgen nehmen wir an der Uferstrasse noch ein klasse Frühstück ein und verlassen Poros in Richtung Hydra. Duschen für die Besatzungen von Yachten sind in Poros nicht vorhanden.

zwischen dem Peloponnes und der Insel Poros verläuft das schmale Fahrwasser dicht am Ufer von Poros Stadt entlang ...

Wir verlassen Poros in südlicher Richtung durch das nur etwa 30 m `breite´ Fahrwasser. Hier ist durch den relativ dichten Fährverkehr besondere Vorsicht geboten. Wir lassen Poros hinter uns und können -endlich!- einmal segeln. Mit 2 - 3 Windstärken segeln wir Richtung Hydra. Doch auch dieses Lüftchen schläft bald wieder ein, so daß wir die restlichen Seemeilen bis nach Hydra wieder unter Motor fahren müssen. Hydra Stadt stellt sich uns als überaus reizvoll dar. Insbesondere das alte Fort am Hafeneingang und die alten Sandsteinhäuser. Leider ist Hydra-Stadt nicht nur ein besonders schöner Ort, sondern auch touristisch besonders gut erschlossen. Alle paar Minuten legt eine Fähre am Kai an und `spuckt´ Hunderte von Touristen aus, die einmal kurz duch die Stadt laufen, in den kleinen und teilweise auch sehr feinen Schmuckgeschäften etwas kaufen und danach wieder weiterreisen. Die Fährschiffe manövrieren dabei absolut rücksichtslos und erzeugen im dem kleinen Hafenbecken einen unglaublichen Schwell! Auf den guten Halt des Ankers ist daher ganz besonders zu achten. Restaurants sind ebenfalls in großer Anzahl vorhanden. Durch die bisher gemachten Erfahrungen in Sachen griechischer Geschäftstüchtigkeit beschließen wir, besser in der 2. oder 3. Reihe zu essen. Wir mußten nicht lange suchen. Inmitten

Ny1_b5

Malerisch: den Hauptort Hydra auf der gleichnamigen Insel darf man keinesfalls versäumen ...

des Ortes unten alten Bäumen haben wir dann Platz genommen und etwas zu essen bestellt. Der freundliche Wirt ließ uns den Hauswein probieren und nahm anschließend die Bestellung auf: (Bier, Tzaziki, Souflaki und Bauernsalat). Nach dem Essen servierte uns der gleiche freundliche Wirt die Rechnung... etwa 300,-- DM!! für 5 Personen. Rekord! Bedauerlicherweise finden wir auch in Hydra-Stadt keine Duschmöglichkeiten.

a_Ny1_b3

Poros Stadt: Das Leben findet direkt am Wasser statt ...

Wenigsten können wir beim Hafenmeister, einem urigen Rübezahl, noch Trinkwasser bunkern. Danach geht´s aber wieder zurück Richtung Poros. Auf halbem Weg legen wir noch eine ausgiebige Badepause in einer der vielen namenlosen Buchten zwischen Hydra und Poros ein, wo uns warmes (26 Grad Celsius) beinahe türkisgrünes Wasser geradezu zum Schwimmengehen verführt. Erst nach ein paar Stunden können wir uns trennen und steuern ein zweites mal Poros auf der gleichnamigen Halbinsel an. Dort legen wir an fast der gleichen Stelle an wie schon zwei Tage zuvor. Auf den ersten Blick erscheint uns der vorhandene Schwell heftiger als zuvor und wir hoffen auf den guten Halt unseres Ankers. Vorsichtshalber befestigern wir jedoch noch einen großen Fender am Heck unserer ´´ELENA´´. Da wir ausreichend Zeit zur Verfügung haben, bummeln wir noch durch den Ort bis hoch zur weithin sichtbaren Kirche. Diese liegt zwischen kleinen Felsen und wird nachts von großen Scheinwerfern angestrahlt. Bei der Klettertour über die Felsen kommt ein Segelfreund etwas aus dem Tritt, was zu geänderten Beleuchtungsverhältnissenan am Wahrzeichen der Stadt, dem Uhrenturm, führt. Danach suchen wir im Ortszentrum nach einem kleinen gemütlichen und diesmal preisgünstigen Restaurant. Nach etwas längerer Suche finden wir eine Taverne, die von einem Griechen betrieben wird, der früher in Deutschland gelebt hat. Auch er war sehr freundlich. Das Essen war recht gut und recht teuer.

An Bord genießen wir noch ein kühles Bier und die von Andreas mitgebrachten Zigarillos. Wie üblich, wird am folgenden Morgen in einer kleinen Taverne an der Uferstraße gefrühstückt. Es gibt frischen O-Saft, 2 Spiegeleier mit Speck, etwas Mamelade, Toast und Kaffee. Sämtliche Tavernen an der Uferstraße lassen eine tollen Blick auf das Meer und die vielen passierenen Schiffe zu. Leider wird das Frühstück jäh unterbrochen, als uns ein wirklich netter Herr darauf aufmerksam macht, daß sich unser Anker vermutlich etwas losgerüttelt hat. Sofort laufen wir los. Glücklicherweise war nichts wesentliches geschehen. Lediglich der als Vorsichtsmaßnahme ausgebrachte Fender am Heck drückte gegen den Kai und hat schlimmeres verhindert.

Wir beenden das Frühstück und verlassen Poros Richtung Äegina-Stadt. Endlich einmal haben wir mit etwa 4-5 Beaufort auch einen anständigen Wind und kommen gut voran. Noch vor Ägina läßt der Wind jedoch wieder etwas nach und wir starten den Motor. Da wir vor dem Anlegen in Aegina-Stadt aber noch unbedingt duschen wollen stoppen wir unterwegs die Fahrt und nehmen ein Bad im tiefblauen Meer mit anschließender Süßwasserdusche an Bord. Sauber und frisch gekleidet laufen wir recht früh in Ägina-Stadt ein und haben großes Glück, noch einen freien Platz an der Kaimauer zu erwischen. Da Ägina-Stadt ein beliebter Ausgangsort für den letzte Segeletappe bis nach Athen ist, ist der Hafen gegen Abend rappelvoll. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig dort einzulaufen, um einen gescheiten Anlagenplatz zu bekommen. Wie in anderen kleinen Hafenorten liegen gegenüber wieder Tavernen und kleine Restaurants. Als Hauptort der Insel verfügt Ägina-Stadt darüber hinaus noch über gute Einkaufsmgölichkeiten für ausgefallenen Silberschmuck und sonstige Souvenirs. Leider bleibt unser Versuch, noch einen echten Barbier zu finden, der uns mit einem richtigen Rasiermesser rasiert, erfolglos. Dafür essen wir gut und sogar günstig in einem kleinen Restaurant im Ortsinneren. Anschließend wird auf einem winzigen Balkon einer kleinen Kneipe an der Uferstraße noch ein Absacker genommen, bevor wir an Bord unserer ´´ELENA´´ einen Zigarillo rauchen und unseren eigenen Getränkevorrat dezimieren. Wie in den bisherigen Orten bleibt auch in Ägina-Stadt unsere Suche nach einer Dusche für Segelcrews vergeblich.

Am nächsten morgen verlassen wir Ägina-Stadt, um an den Ausgangsort unseres Törns, den Yachthafen Kalamaki. Auch heute herrschen gute Segelbedingungen. Windstärke 4 und leichter Wellengang. Mit vielen anderen Segelyachten, die ebenfalls die Yachthäfen von Athen ansteuern, veranstalten wir eine nicht abgesprochene Regatta. Macht wirklich Spaß! An frühen Nachmittag laufen wir in Kalamaki ein und erwischen wieder gerade so einen vernünftigen Anlageplatz. Offensichtlich sind auch in diesem riesigen Yachthafen nur wenige Anlegeplätze frei. Da wir noch Zeit genug haben, beschließen wir, einen Ausflug zur Akropolis zu machen, die wir schon von See aus gut erkennen konnten. Nach ein paar Kilometern zu Fuß nehmen wir dann doch ein Taxi. Wir haben gut daran getan, denn das Taxi braucht noch etwa 20 Min. bis in die Innenstadt! Die Akropolis ist erheblich beeindruckender als wir uns das bis jetzt vorgestellt haben. Das Gelände auf dem Tafelberg in mitten der Stadt ist riesig und man hat eine Überblick über eine Großstadt, die in jede Richtung beinahe bis zum Horizont reicht. Wir bummeln u.a. noch durch das dort befindliche altertümliche Museum und schlendern anschließend Richtung Altstadt.

Ny1_b9

Wahnsinn: So weit das Auge reicht nur eine riesige Stadt. Athen! Von 16 Mio. Einwohnern Griechenlands leben ca. 8 Mio. in Athen!

a_Ny1_b8

Gigantisch: Die Akropolis auf einem gewaltigen Tafelberg beherrscht das Zentrum Athens. Muß man sehen!!

Dort, am Fuße der Akropolis, wollen wir einen Happen essen. In einer kleinen eher unscheinbaren Taverne mit allerdings schönen Sitzplätzen unter Bäumen lassen wir uns nieder. Neben dem obligatorischen Standardgericht läßt sich ein Segelfreund vom Wirt zu phantastischen Lammkoteletts (wie er auf seine Ehre versichert!) überreden. Das Ergebnis führt dann allerdings zu einer gewissen Ernüchterung. Preislich war das Essen indes absolut okay. Das hängt womöglich mit der allgegenwärtigen Konkurrenz im Altstadtbezirk zusammen. Hier liegen die Tavernen und Kneipen dicht an dicht und jeder sieht sich genötigt, die Urlauber in seine Taverne zu locken. Anschließend bummeln wir noch durch die Altstadt, wo insbesondere Jeanshosen aller Marken sehr günstig zu kaufen sind (Bsp.: Lewis 501 etwa 50,-- DM). In den späten Abendstunden versuchen wir ein Taxi für alle 5 Personen zu erhalten. Nach längerem Warten und auch Absagen seitens der Taxifahrer gelingt uns dies aber doch noch. Im Yachthafen angekommen bestellen wir für den folgenden Morgen noch zwei Taxis für die Rückfahrt zum Flughafen (dieses mal zum korrekten Preis von 1.500,-- GDr. je Taxi). Wir vertilgen die letzten Vorräte an Bord und müssen dann leider schon packen.

Am folgenden Morgen läuft alles planmäßig. Die beiden Taxis warten schon an der Pier auf uns, so daß wir nur noch die Koffer einladen müssen und uns vom örtlichen Vertreter des Vercharterers NOMICOS verabschieden. Gegen 10.00 geht´s ab zum Flughafen. Unser Lufthansa-Flug geht um 14:30 h und wir haben noch reichlich Zeit. Bedauerlicherweise ist der Abflugbereich des Athener Flughafens verhältnismäßig trostlos und man verplempert dort seine Zeit. Nach langem Warten können wir endlich einchecken und werden in den Duty Free Bereich gelassen. Dort wird vom restlichen Geld noch etwa Ouzo und Schokolade gekauft. Das gezapfte Bier müssen wird dann aber noch sehr eilig herunterkippen, da die Reisegruppe mit den Herren B.,L.,M.M. und N. letztmalig aufgerufen wird. Wie gut, daß wir als Reisegruppe gemeldet sind! So genießen wir beim Start der Maschine noch einen letzten Blick auf Kalamaki und fliegen heim. In München müssen wir auf dem neuen Flughafen (Glaspalast, eher kalte Pracht) nach Düsseldorf umsteigen. Das Wetter wird immer schlechter und in Düsseldorf stürmt und regnet es wie aus Kübeln. Uns allen -nicht nur B.A. Mengedoht- wird etwas flau im Magen. Glücklicherweise beherrscht der Pilot sein Geschäft und bringt uns sicher runter. Unser Gepäck ist sehr schnell auf dem Gepäckband und wir erwischen noch den Zug nach Hause. Leider geht damit auch ein toller Segelurlaub zu Ende. Aber wie heißt es so schön: ´´Nach dem Törn ist vor dem Törn!´´ Die nächste Planung kann beginnen...

e-mail: Webmaster@notyet-team.de