Griechenland (Kykladen und Saronischer Golf)            

Lavrion, Serifos, Milos, Paros, Naxos, Kythnos, Poros      (10.06. - 19.06.2005)

Lange Schläge, an vielen Tagen optimale Windverhältnisse und angenehme Tages- aber auch Nachttemperaturen machen auch den Kykladentörn 2005 zu einem tollen Erlebnis. Dank des Sommerflugplanes von germanwings (man fliegt immer freitags und sonntags nach Athen) und der Zusage des Vercharterers Argolis, uns das Schiff bis zum Sonntagmorgen zu überlassen, hat sich unsere reine Segelzeit um einen Tag verlängert, was natürlich auch unsere seglerische Reichweite erheblich verbessert.

Wie schon in den letzten Jahren treten wir unsere Reise am Donnerstagabend mit einer Übernachtung in Iserlohn an. Unser Iserlohner Segelfreund hat für uns dieses mal einen Tisch in einem griechischen Restaurant ‚um die Ecke’ reserviert und rechnet mit unserem Erscheinen gegen 20:00 h. Leider macht uns aber ein Stau auf der Autobahn bereits nach nur wenigen Kilometern einen Strich durch die Rechnung und wir erreichen Iserlohn erst nach einer längeren Fahrt über Nebenstrassen. Dennoch sorgt das verspätete Abendessen beim „Griechen“ für eine gute Einstimmung auf den Törn. Da unser germanwings-Flieger am folgenden Tag bereits um 06:35 h ab Köln/Bonn abheben soll, gehen wir anschließend zügig in die Kojen.

Sehr pünktlich erreichen wir am nächsten morgen den Flughafen Köln/Bonn. Das Einchecken verläuft völlig problemlos, auch die -wie üblich- mitgeführten Automatik-Schwimmwesten werden nicht beanstandet. Eine Platzvergabe findet bei germanwings nicht mehr statt. Stattdessen wird nach einer laufenden Nummer mit freier Sitzplatzwahl eingecheckt. Nach angenehmem Flug von rd. 3 Stunden landen wir gegen 11:30 h in Athen. Die neue S-Bahn bringt uns in etwa einer knappen Stunde mitten ins Zentrum von Athen. Dort, am „Syntagma Square“ steigen wir aus und nehmen uns im „Pan Hotel“ ,etwa 200 m entfernt, zwei Zimmer. Die Lage des Hotels ist ideal für uns und so zahlen wir die Kosten von 290,-- Euro für ein Doppel- und ein Drei-Bett-Zimmer mehr oder weniger gern. Bei einer Vorabbuchung via hrs.de (Hotel Reservation Service) hätten wir für beide Zimmer lediglich 180,-- Euro gezahlt. Ein Verbesserungsvorschlag für künftige Törns.Nach einem entspannten Nachmittag in Athen mit Besuch der Akropolis, eines Tattoo-Studios in einem Hinterhof, dem Genuss mehrerer Cappuccinos (á 3,40 Euro!!) schlendern wir abends noch in die Altstadt von Athen (Plaka). Dort trinken wir bei griechischer Live-Musik noch das eine oder andere gezapfte Bierchen, ehe es für uns Zeit wird, ins Hotel zurückzukehren.

 Nach verhältnismäßig ruhiger Nacht (in unmittelbarer Nähe lief scheinbar noch eine Art Dieselmotor), dem üblichen spartanischen griechischen Frühstück und einem weiteren Bummel durch Athen machen wir uns wieder mit der S-Bahn auf zum Flughafen, um von dort per Taxi nach Lavrion, unserem Ausgangshafen, zu gelangen. Die Taxifahrt kostet per Taxameter rund 25,-- Euro. Dummerweise hatten wir aber für die Fahrt einen Festpreis von 30,-- Euro vereinbart und müssen dem Taxifahrer diesen Preis nun auch zahlen. Ein lustiger Typ, dieser Taxifahrer. Unterwegs rief er einen Freund an, drückte einem Segelkollegen das Handy in die Hand, damit dieser „irgendetwas in deutsch“ zu seinem Kumpel sagen sollte. Der Kumpel würde eh kein Wort deutsch verstehen. Während des Gesprächs lachten sich beide Freunde schlapp! Wie der Taxifahrer später erklärte, sehen sich beide gelegentlich deutsche Pornos an und er hatte seinem Kumpel angekündigt, sobald er einen dieser deutschen „Pornostars“ mal in seinem Taxi transportieren sollte, würde er ein Gespräch vermitteln. Ein Gag! So schnell kommt man also in Verruf!

links: auch in Athen gibt es noch schöne Ecken ...

In Lavrion herrscht bei unserem langjährigen Vercharterer „Argolis“ Hochbetrieb. Etliche Schiffe müssen an die neuen Crews übergeben werden. Es ist 14:30 h und sehr warm. Wir beschließen, in einem kleinen Restaurant am Eingang der Marina zunächst ein kühles Bierchen zu trinken. Nachdem wir Geschichten des Schwagers Freimuth aus Sachsen („Etno Bommel“) gehört haben sind wir gegen 15:00 h  wieder zurück am Kai und möchten die Schiffsübernahme gern hinter uns bringen. Die Mitarbeiterin von „Argolis“ vertröstet uns um etwa 20-30 Minuten. Das ist natürlich hinzunehmen. Etwa 20 griechische Minuten später, es ist inzwischen 17:45 h, klappt es dann auch. Die Übernahme unserer „Kalymnos“ einer Dufour 45C, erfolgt reibungslos. Nach einem gemütlichen und guten Essen an der Stadtautobahn von Lavrion (Hauptstrasse in der Innenstadt, an der alle paar Minuten die gleichen Fahrzeuge vorbeikommen), heruntergespült mit frisch gezapftem Pils, lassen wir den Tag gemütlich ausklingen. Nachts ist es immer noch angenehm kühl und so ist der Schlaf auch entsprechend erholsam. Leider stört auch in Lavrion ein offenbar permanent laufender Dieselmotor irgendwo ganz in der Nähe die Nachtruhe.

oben: Essen an der “Stadtautobahn” von Lavrion

Am folgenden Morgen, es ist Sonntag, legen wir erst gegen 09:00 h in Lavrion ab. Unser Ziel ist Livadi an der Südostküste von Serifos. Der Wind bläst mäßig mit 3-4 Windstärken aus nördlicher Richtung und wir können schon bald die Segel setzen. Unsere „Kalymnos“ macht einen guten Eindruck, als wir wenig später eine Sun Odyssee 43 geradezu mühelos überholen. Leider lässt der Wind schon bald nach und wir müssen unter Motor weiterfahren. Auf eine Badepause in einer Bucht nördlich von Mericha auf Kythnos wird nach kurzer Diskussion (ohne Gegenstimme!) verzichtet. Den Herren aus dem sonnenverwöhnten Alemannia ist der Wind zu frisch und das Wasser zu kalt! So erreichen wir, die letzten Seemeilen unter Motor fahrend, gegen Abend den Hafen von Livadi. Dort, in einem kleinen Restaurant direkt am Meer, kommt es zu einer der bislang außergewöhnlichsten Begebenheiten aller NOT-YET!!-Törns.

Nachdem wir in dem kleinen Restaurant freundlich aufgenommen wurden und unsere obligatorische Runde Amstel sowie je ein Tzaziki bestellt haben, ergreift der Skipper mit der nötigen moralischen Unterstützung fast aller Crewmitglieder das Wort. Heute soll das Unmögliche passieren, heute lassen wir Fünfe gerade sein, heute soll … unser Segelfreund Thomas Nagel (ja, es wird erstmalig auch ein Name genannt!!) beinahe richtig befördert werden und zwar “unter direkter Berücksichtung seiner Fähigkeiten” . In seiner Ansprache würdigt der Skipper die besonderen Leistungen von Thomas um das NOT-YET!!-Team und weist auf seine besonderen Fähigkeiten hin. Das insgesamt harte Ringen, diese schwierige Beförderung gegen alle Trends durchzusetzen, wird ebenfalls ausgiebig beleuchtet. Abschließend erhält Thomas dann seine Ernennungsurkunde zum „CDCO“ (Chief Deck Cleaning Operator), mit der Berechtigung „unter Aufsicht selbstständig Decksreinigungen vornehmen zu dürfen“. Thomas drückt in seiner kurzen Gegenrede sein beinahe ungläubiges Erstaunen, Dankbarkeit und Rührung aus. Ergriffen kündigt er an, an diesem Abend die Getränke zu übernehmen. Welch ein Tag!! Ausklingen lassen wir den schönen Abend bei internationaler Musik auf einem Balkon einer kleinen Kneipe mit herrlichem Blick über die Bucht von Livadi.

Bis auf das Geräusch eines Dieselmotors, der wieder in unmittelbarer Nähe zuverlässig und unterbrechungsfrei läuft, bleibt es ruhig in Livadi. Am nächsten Morgen stehen wir gegen 06:00 h zeitig auf, frühstücken an Deck und verlassen schon bald danach Serifos. Unser Ziel ist die Insel Milos mit ihrem Hauptort Adamas. Auf dieses Ziel freuen wir uns schon ein wenig, zumal wir Milos zuvor noch nie besucht haben. Der Wind bläst wieder mäßig bis frisch mit 4-5 Windstärken und wieder aus nördlicher Richtung, so dass wir uns auf einen Schlingerkurs (~ 180 °) einstellen müssen. Glücklicherweise ist die Crew dieses Jahr ausnahmslos seefest, so dass die heimischen Meeresbewohner auf ihre gewöhnliche Nahrung reduziert bleiben.

Die Entstehungsgeschichte von Milos ist der Santorinis ähnlich. Neben einer heute noch vorhandenen großen Anzahl heißer Quellen auf Milos ist der wesentliche Hinweis auf den vulkanischen Ursprung dieser Insel ein mit Wasser gefluteter nach Nordwesten offener Krater. Dieser Krater bildet heute die riesige Bucht, an dessen innerem nördlichen Rand Adamas, der Hauptort der Insel, liegt. Kurz bevor wir in die gerade beschriebene Bucht von Milos einlaufen, flaut der Wind ab und wir haben keine andere Wahl, als wieder unter Motor zu fahren. Da wir außerdem recht früh dran sind, suchen wir noch nach einer geeigneten Badebucht für eine Pause.

oben: Adamas auf Milos, ein wunscherschöner kleiner Ort!

Als wir dann aber den adretten Hauptort Adamas erblicken, beschließen wir, den Ort ohne vorherige Badepause anzusteuern. Als wir beim Festmachen (Mooringleinen vorhanden!) auch noch feststellen, wie kristallklar das Wasser an der Außenseite der Mole ist, gibt es kein Halten mehr. Bei traumhaften 23 ° C Wassertemperatur lässt es sich auch hier prima aushalten. Von der Bademöglichkeit machen schließlich alle ausgiebig Gebrauch. Danach geht es auf Einkauftour. Wir benötigen verschiedene Lebensmittel, müssen noch eine Einladung an „Capt. Morgan“ aussprechen und auch unseren Kühlschrank wieder mit Eis bestücken. Letzteres erhält man in einem kleinen Restaurant „pou pou“ (gesprochen: fu-fu) links der Mole direkt an der Uferstrasse. Billig ist der Beutel mit Einwürfeln indes nicht. Wir zahlen 5,-- Euro für einen mittelgroßen Plastiksack.

Abends gehen wir in einem netten Lokal direkt gegenüber der Pier essen. Das Lokal ist von Einheimischen und Touristen sehr gut besucht, ein gutes Zeichen. Tatsächlich ist das Essen wirklich hervorragend (absolut empfehlenswert ist das Stifado!), der Wein einfach, aber lecker und alles zusammen auch noch recht preisgünstig. Mehr kann man wirklich nicht erwarten! Sehr zufrieden kehren wir auf unsere „Kalymnos“ zurück, wo wir bei einem letzten Absacker besprechen, am nächsten Tag bis nach Naxos segeln zu wollen. Dazu werden wir Milos aber schon sehr früh verlassen müssen. Immerhin haben wir morgen knapp 60 Seemeilen zu segeln.

links: kristallklares Wasser an der Außenmole des Hafens in Adamas lädt uns zum Baden ein.

Am nächsten morgen sind wir demzufolge schon sehr früh auf den Beinen. Als wir das Deck betreten, sehen wir eine riesige Yacht, die ganz in der Nähe ankert. Es handelt sich um die „Queen M.“, eine 238-Fuss Megayacht, die 2004 bei Lurssen in Bremen gebaut wurde. Der reine Luxus auf 72,6 m Länge. Nichts für uns, wir wollen schließlich segeln. Das tun wir denn auch, nachdem wir die Bucht von Milos zunächst unter Motor verlassen haben. Auf Kurs Südspitze Paros werden die Segel in einem außergewöhnlichen Manöver gesetzt und mit 5-6 Windstärken geht es auf Am-Wind-Kurs sehr gut voran. Die „Kalymnos“ bringt es hier auf gute 8 Knoten über Grund. Unterwegs nimmt der Wind stetig zu. Als die Windgeschwindigkeit 35 Knoten (30 Knoten = 7 Bft.) erreicht, beschließen wir, zumindest die Genua etwas zu reffen (es drückt inzwischen viel überkommende Wasser in die Genua, was das Steuern des Schiffes erheblich erschwert). Nach dieser Maßnahme lässt sich das Schiff wieder vernünftig steuern.

oben: Die “Queen M.”, 2004 bei Lurssen in Bremen vom Stapel gelaufen.. Reiner Luxus auf 72,6 m (238 Fuss) Länge!

Der Versuch, in einer der schönen Buchten der Inseln Despotiko oder Antiparos Anker zu werfen und evtl. dort zu übernachten, scheitert an den heftigen nördlichen Winden, die in Böen einfallen und das Ankern zu keinem wirklichen Vergnügen machen. Wir wollen versuchen, noch bis in den kleinen sicheren Hafen von Piso Livadi an der Südostküste von Paros zu kommen. Auf dem Weg dorthin nimmt der Wind, bedingt durch den zwischen den Inseln Paros und Naxos auftretenden Düseneffekt noch mal kräftig zu. Segelnd ist Piso Livadi jetzt nicht mehr zu erreichen. Also bergen wir die Segel und kämpfen uns ca. 1 Stunde unter Motor gegen Wind, Wellen und Strömung bis nach Piso Livadi durch. Selbst in dem kleinen und ziemlich geschützten Hafen bläst es heftig und unser Schiff schaukelt entsprechend stark. Der böige Wind bläst direkt auf den Bug der „Kalymnos“, so dass der gesamt Druck auf dem Anker liegt. Dieser hat sich aber glücklicherweise fest in den Moder des Hafens gegraben.

Heute steht das Programm „Koch Dich selbst“ (O-Ton: Jochen Busse) auf dem Plan. Der Skipper hat sein Nudel-Rezept aus dem vergangenen Jahr insofern verfeinert, dass man es jetzt mit Appetit genießen kann. Hier folgt es:

Einer der Segelkollegen muss auf dieses Festmahl verzichten. Er zieht es vor, bei Freunden auf Paros noch einen Anstandsbesuch zu machen. Allerdings ist die Mannschaft bereits um 23:30 h wieder komplett an Bord. Das Ziel für den morgigen Tag steht bereits fest. Wir wollen sehr früh aufbrechen und vor Aufkommen des Meltemi noch Naxos-Stadt erreichen. In den früheren Törns war es uns bisher nicht gelungen, diese schöne Insel etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Das wollen wir in diesem Jahr ändern. Mit diesem Plan geht es in die Kojen. Komisch, obwohl wir das einzige Schiff im Hafen sind, dröhnt doch irgendwo noch ein Dieselaggregat!

Am nächsten Morgen verlassen wir den Hafen von Piso Livadi ohne Frühstück bereits kurz von 07:00 h. Wir wollen zunächst die Strecke bis Naxos-Stadt bewältigen und hoffen auf ein Nachlassen des Meltemi während der frühen Morgenstunden. Trotzdem ist die Fahrt unter Motor gegen die Wellen ausgesprochen unangenehm. Immer wieder kommt Wasser über und ohne eine Sprayhood wird man halt schnell mal nass. Nach gut 2 Stunden machen wir dann aber in Naxos-Stadt fest. Die Marina ist bereits ziemlich voll und wir erhalten mit Glück noch einen einigermaßen akzeptablen Platz an der Mittelpier. Jetzt wird gefrühstückt. Anschließend wollen wir uns einen Roller mieten, um die Insel zu erkundigen. Die erscheint nicht uninteressant. Immerhin liegt der höchste Berg der Kykladen (Mt. Zeus) mit über 1.000 m auf Naxos.

Gegen 11:30 h macht sich die Crew auf, um sich einen Motorroller zu mieten. Der Skipper hat hieran am heutigen Tag aber kein Interesse und genießt die Stille an Bord. Die anderen finden bald einen Rollervermieter, den uns 3 Motorroller und ein Quad (eigentlich ein Kinder-Quad) vermietet. Ein Segelfreund lässt sich von den Argumenten des Vermieters nicht überzeugen und besteht auf einem kleinen Plastikhelm (hilft nur gegen die Sonne!). Bizarre Optik! Fortan muss er mit dem Spitznamen „Sir Lester Pigott“ (= erfolgreicher engl.Jockey) leben.

Nach einem kurzen Tankstopp geht es dann los in den Norden der, um es vorwegzunehmen, wunderschönen Insel Naxos. Wir kommen auf unserem Weg durch den Norden der Insel an einem kleinen Staubecken (nur 30 % gefüllt) und an einem verfallenen venezianischen Wohnturm vorbei. Die Straßen sind in einem sehr guten Zustand und das Fahren über die kurvenreiche Strecke macht eine Menge Laune. Vorbei an steilen Klippen und türkisgrünem Wasser erreichen wir gegen Mittag den kleinen Ort Apollon. Hier essen wir in einem kleinen Restaurant direkt am Meer eine Kleinigkeit, bevor wir unsere Rollertour durch die Berge von Naxos fortsetzen. Als wir etwas später in rd. 800 m Höhe die Wolkengrenze erreichen, wird es auch langsam kalt. Interessant zu sehen, wir grün die Insel hier ist. Es wird jede Menge Wein und Obst angebaut und auch zahlreiche Bäume zeugen von genügend Wasser.

rechts oben: in den Bergen von Naxos

rechts: Das Tempeltor, Wahrzeichen von Naxos

 

Inzwischen hat sich unser Quadfahrer an die Grenzen der fahrerischen Möglichkeiten dieses Gefährtes herangetastet und hetzt durch die Kurven, dass es einem Angst und Bange wird. Glücklicherweise passiert niemandem etwas. Gegen 17:00 h sind wir wieder zurück in Naxos-Stadt (auf Straßenschildern als Hora bezeichnet) und geben die Fahrzeuge zurück. Jemand stellt noch einen Defekt eines Rücklichtes fest (Tja… also genauso genommen … aber lassen wir das). Der Vermieter aber steht souverän über den Dingen und stellt keine Forderungen.

Abends gehen wir noch in der Touristenzeile am Hafen nett essen und trinken. Bezahlen dürfen wir allerdings nicht beim Kellner. Dafür ist die Patriarchin des Hauses, eine ältere Dame (Alter schwer zu schätzen, sicher aber deutlich in den Siebzigern) zuständig. Sie nimmt uns das Geld ab und schenkt uns noch einen Ouzo aus. An Bord zurückgekehrt, gesellt sich noch „Capt. Morgan“ zu uns, der sich wie schon häufig, sehr gut mit der Cola verträgt. Kurze Zeit später kriechen wir in unsere Kojen und unser mit Pork-Souflaki betriebenes Dieselaggregat brummt schon bald in der gewohnten Tonlage …

Die Nacht ist kurz, schon um 06:00 h sind wir wieder auf den Beinen. Je nach Windverhältnissen wollen wir entweder Finikas auf Syros oder –wenn wir gut vorankommen- mit einem langen Schlag Loutra auf der Ostseite von Kythnos erreichen. Das wären wieder gut 60 Seemeilen. Gegen 07:00 h legen wir in Naxos ab und segeln schon bald mit bestem Wind (6-7 Windstärken) aus NO-Richtung, so dass wir beinahe mit Halb-Wind-Kurs auf die Südwestspitze von Syros zusegeln. Der Wind nimmt zwischen Paros und Syros zwischenzeitlich sehr deutlich ab, so dass wir Zeit haben, uns eine kleine Mahlzeit zuzubereiten. Es gibt gemischten Salat, frisches Brot und Rotwein aus dem Kanister. Als wir nach dem Mittagessen aus dem Windschatten von Syros kommen, nimmt der Wind wieder zu (7 Bft.) und unsere „Kalymnos“ erreicht eine Geschwindigkeit von 9,1 Knoten ü.Gr.. Schneller werden wir auf diesem Törn nicht mehr sein. So macht segeln Spaß!

Schneller als erwartet kommen wir voran und erreichen am Nachmittag den kleinen Ort Loutra auf Kythnos. Dieser Ort verfügt über das einzige Thermalbad in den Kykladen. Da der Wind in der überaus schönen Ankerbucht Ormos A. Eirinis südöstlich des Ortes immer noch frisch pfeift und das Wasser kreuselt, die Sonne außerdem nicht mehr sehr hoch am Himmel steht, ist es kaum möglich, den Grund zu erkennen. Das ist in dieser Bucht allerdings nicht unwichtig, will man verhindern, mit seinem Anker in einer der dicken, kreuz und quer über den Grund verlaufenden Ketten, hängen zu bleiben. Hieran sollen noch Mooringleinen befestigt sein. Sehen kann man diese allerdings auch nur bei gutem Wetter und hoch stehender Sonne. Wir verzichten auf den Ankerlieger und machen kurze Zeit später im kleinen, allerdings bereits gut gefüllten Hafen von Loutra fest.

Auch heute bekochen wir uns wieder selbst. Nach den guten Kritiken am oben geschilderten Thunfisch-Gericht soll es zu einer Wiederauflage kommen. Keine Gegenstimmen! Das Nötigste kaufen wir in einem kleinen Supermarkt bei einer sehr alten und -wie wir noch aus dem Jahr 2003 wissen- sehbehinderten Dame. Wieder lässt sie es sich nehmen, ihre Kunden zu herzen und dem Erstbesten ein paar Küsse auf die Wange zu drücken. Wir kaufen zudem noch Eis für unseren Kühlschrank, eingelegte Kapern aus einem ausgedienten Farbeimer usw. Alles sehr rustikal in diesem Laden! Ein kleiner Gang durch den Ort bestätigt uns darin, dass wir ruhig an Bord bleiben können. Hier verpassen wir nichts! Nach dem leckeren Essen nehmen wir noch einen Termin mit „Capt. Morgan“ wahr, ehe wir dann spät in die Kojen kommen. Nachts schrecken wir auf. Kein Dieselgeräusch! Er wird doch wohl nicht …..? Nein, alles in Ordnung! Der Diesel läuft offensichtlich im Leerlauf, für das menschliche Ohr kaum wahrnehmbar!

Als wir den Saronischen Golf erreichen, nimmt der Wind wie erwartet ab. Dafür ist die Luft hier deutlich wärmer als in den Kykladen. So warm, dass wir auf der Stelle beschließen, in einer der westlich von Poros gelegenen Badebuchten noch eine Pause einzulegen. Wir passieren beeindruckt den malerischen Ort Poros und suchen nach einem Ankerplatz. Leider sind alle Badebuchten gut ,belegt’. Egal! Für eine kurze Badepause sollte es genügen, sich irgendwo dazwischen zu manövrieren. Bald darauf genießen wir das mit 23 ° C angenehm warme Wasser. Verschiedene Crewmitglieder üben sich in möglichst exotischen, sehr bizarren Wassersprungvarianten. Bevor es schlimmer wird, verlassen wir die Bucht und machen bald darauf in Poros fest. Wie wir später feststellen werden, liegen wir mit unserem Schiff optimal. Nur durch eine schmale Strasse und ein paar Sitzgarnituren liegen wir vom Musik-Cafe „Malibu“ entfernt. Hier wollen wir später noch einmal vorbeischauen.

rechts und unten: der malerische Ort Poros im Saronischen Golf

oben: viel Wind auf der Fahrt von Naxos nach Kythnos

Für den vorletzten Segeltag haben wir uns viel vorgenommen. Wir wollen heute Poros im Saronischen Golf erreichen. Einen wunderschönen kleinen Ort, den wir im Oktober 1998 schon einmal besucht haben. Da wir mehr als 60 Seemeilen vor uns haben, verlassen wir den Hafen von Loutra kurz nach 07:00 h. Aufgehalten werden wir von einer russischen Segelcrew, die beim Ablegen im Hafen von Loutra den Anker unseres Nachbarschiffes ‚eingefangen’ hat und geraume Zeit benötigt, sich hiervon wieder zu befreien. Dann aber geht es los. Bis zu Nordostspitze von Kythnos bläst uns der Wind kräftig entgegen, als wir dann aber auf Westkurs gehen und zwischen Kythnos uns Kea Segel setzen, lässt der nördliche Wind durch die Landabdeckung durch Kea deutlich nach. Wir machen uns bereits Sorgen um die verlorene Zeit, als der Wind nach Verlassen der Landabdeckung wieder auffrischt. Mit etwa 7,5 Knoten ü.Gr. steuern wir Poros entgegen.

links: je weiter wir Richtung Saronischem Golf segeln, je mehr nimmt der Wind ab. Dazu ist die Luft deutlich wärmer als in den Kykladen!

Vorher aber suchen wir nach einem netten Lokal, da wir unterwegs so gut wie gar nichts gegessen haben und der Hunger inzwischen entsprechend groß ist. Wie wohl inzwischen üblich, stehen überall ‚Fänger’ bereit, die Touristen in ihr Restaurant zu locken. Auch wir lassen uns von einem solchen Fänger am Restaurant „Oasis“ ansprechen und lassen uns von den Argumenten („Karaffe leckerer Rotwein für 4 Euro“) überzeugen. Das gelieferte Essen und auch der angebotene Rotwein rechtfertigt unser Vertrauen. Unisono wird anschließend festgestellt, dass jedes Gericht besser geschmeckt hat als irgendwo sonst vorher. Wirklich genial war das Rinder-Stifado! Nach einem kleinen Bummel durch den Ort trennt sich die Gruppe gegen 23:30 h. Während der eine Teil sich als müde erklärt, wollen die anderen noch einmal schauen, was denn in dem Ort sonst noch so los ist. Kurz gesagt: wenig! Fündig werden wir im besagten Musik-Cafe „Malibu“, direkt gegenüber unserem Boot.

Wir schneien dort kurz hinein und stellen fest, dass man sich hier auf Cocktails spezialisiert hat. Als ‚Starter’ nehmen wir einen „Kamikaze“, einen „Zombie“ und einen „Gin Fizz“ für den weniger hartgesottenen Kollegen. Die Musik, die hier aufgelegt wird, begeistert uns regelrecht. Neben brandaktuellen Titeln werden immer wieder fetzige Oldies aus den 80-er und 90-er Jahren aufgelegt. So in gute Stimmung versetzt, geben wir dem Barkeeper noch ein hochinteressantes Cocktailrezept namens „Leuchtturm“. Hierzu füllt man ein Schnapsglas zu 2/3 mit Gin. Auf das Schnapsglas legt man eine halbe Scheibe einer großen Zitrone. Hierauf kommt ein Stück Würfelzucker. Dieser wird mit Rum (Capt. Morgan, 70%) getränkt und angezündet. Nach Erlöschen der Flamme den Zucker mit der Zitrone im Mund zerkauen und mit dem Gin herunterspülen. Genial! Das fand auch der Barkeeper, der dieses Rezept unter dem Namen “Nimi’s Lighthouse” in seine Karte aufnehmen will und uns für dieses Rezept einen „Leuchtturm“ nach dem anderen spendierte. In den dennoch entstehenden Trinkpausen orderten wir noch den einen oder anderen „Cuba Libre“, so dass wir schon bald in guter Stimmung waren.

Gut gelaunt kommen wir mit einer Gruppe von Norwegern und Norwegerinnen ins Gespräch, die heute ihre Trinkfestigkeit in einem ausgedehnten Selbstversuch getestet haben. Ein männliches norwegisches Gruppenmitglied versucht mit uns ins Gespräch zu kommen, was ihm aber beim besten Willen nicht mehr gelingt. Wie sich kurze Zeit später herausstellt, will er mehr, als sich nur mit uns zu unterhalten. Nachdem mehrfache Versuche seinerseits scheitern, sich unserem Skipper ‚unsittlich’ zu nähern, macht er sich schließlich davon. Der guten Stimmung tut dies aber überhaupt keinen Abbruch. Gegen 04:00 h morgens werden im „Malibu“ dann die Lichter ausgemacht und man überläßt die verstörten Touristen sich selbst. An Bord gibt es dann noch einen letzten Absacker und um 05:00 h (nach der obligatorischen Einnahme von 2 Aspirin!) geht es in die Kojen.

oben: die Musikkneipe “Malibu”, nur wenige Schritte von unserem Schiff entfernt ...

Nur 2 Stunden später werden die Spätheimkehrer wieder aus dem Schlaf gerissen. Wir wollen Poros-Stadt ohne Frühstück verlassen und das Frühstück lieber in einer der kleinen Badebuchte nachholen. Gesagt, getan. Wir lichten den Anker und legen ab. Hierhin kommen wir sicher irgendwann wieder zurück. Wir finden tatsächlich eine kleine Bucht, die wir ganz für uns alleine haben. Bevor wir frühstücken, gehen die Nachtschwärmer noch eine Runde schwimmen, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Das klappt dann auch überraschend gut! Jetzt noch ein herzhaftes Frühstück und dann zurück nach Lavrion. Unterwegs müssen wird gegen den immer mehr auf Ost drehenden Wind ankreuzen. Erst gegen 16:00 h erreichen wir eine kleine Badebucht unmittelbar südlich von Lavrion, wo wir ein letztes Bad im Meer nehmen, ehe wir dann gegen 16:45 h den Anker lichten. Zwanzig Minuten später machen wir mit einem wirklich perfekten Hafenmanöver in unseren Ausgangshafen Lavrion fest. Da wir alle Vorräte unterwegs aufgebraucht haben, können wir uns ausnahmsweise ein Anlegebier in dem kleinen Restaurant am Marina-Eingang.

Mit dem Vercharterer „Argolis“ vereinbaren wir die Schiffsübernahme am nächsten Morgen um 08:00 h. Anschließen sollen uns zwei Taxen zum Flughafen bringen. So, jetzt noch einmal frisch machen und dann zum Essen wieder an die „Stadtautobahn“ von Lavrion. Am nächsten Morgen verlaufen die abgemachten Termine erwartungsgemäß. Gegen 08:00 h griechischer Zeitrechnung (08:35 h MEZ) kommt die Vertreterin des Vercharterers angefahren und inspiziert das Schiff gründlich. Dann werden die Taxen bestellt, die auch sehr schnell eintreffen. Pünktlich erreichen wir den Athener Flughafen, frühstücken dort noch gemütlich, bevor wir um 10:30 h die Maschine von germanwings besteigen und nach Hause fliegen.

Im nächsten Jahr wollen wir versuchen, einmal die Türkische Westküste von Bodrum nach Göcek abzusegeln. Dort hat der Vercharterer „Argolis“ ebenfalls Stützpunkte. Wie heißt es so schön: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho …“

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