Griechenland (Dodekanes)            

Kos, Leros, Patmos, Samos, Agathonissi, Lipso, Leros      (02.06. - 09.06.2007)

Der NotYet!!-Segeltörn 2007 wird allen hieran Beteiligten wohl noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Beinahe jeden Tag haben wir eine Ausnahmesituation zu bestehen,  kommen in beinahe keiner einzigen Nacht zu ausreichendem Schlaf und haben erstmals einen Segelfreund, der sich während eines Inselausfluges so erheblich verletzt, dass er den Törn nicht zu Ende führen kann. Einen erholsamen Urlaub stellt man sich in jedem Fall anders vor. Aber der Reihe nach …

Sa. 02.06.2007 Nach unser ersten Flugbuchung bei HLX.com sollen wir am Samstag, 15:20h von Köln/Bonn nach Kos fliegen und dort gegen 19:10 h eintreffen. Der Vercharterer Nomicos will dann auch noch die Schiffsübergabe (wie haben die „PELAZI“, eine Bavaria 42, Bj. 1999 gechartert) ermöglichen. Leider kommt es im Frühjahr 2007 zum Zusammenschluss von HLX und TuiFly mit der Konsequenz, dass sich alle Flugzeiten verschieben. Neue Abflugzeit in Köln/Bonn ist Samstag 05:20h. Das führt dazu, dass wir unsere ostwestfälische Heimat bereits um 23:00 h verlassen und die ganze Nacht im Wesentlichen ohne Schlaf auskommen müssen. Für die Fahrt von Löhne nach Köln/Bonn benötigen wir in der Nacht ziemlich genau 2 Stunden. Der Flieger startet pünktlich und wir vier ‘NotYetties’ Sven, Thomas, Bichi und Dirk erreichen Kos gegen 08:40h Ortszeit. Die Fahrt zur Marina dauert etwa 20 Minuten und kostet 27 Euro. Völlig akzeptabel!

Die Kos-Marina: Gut ausgestattet, aber eng und fast immer viel Wind ...

Unsere ‘Pelazi’, eine Bavaria 42 (4 Kabinen, Baujahr 1999)

Die Marina liegt etwa 15 Minuten Fussweg von der Altstadt in Kos entfernt und bietet hervorragende sanitäre Anlagen (aber Achtung: eingeschränkte Öffnungszeiten 7 - 21 Uhr), einen leider zu teuren Supermarkt (der auch Eisblöcke für 4 Euro sowie Eiswürfel verkauft), ein paar kleine Kneipen etc. Leider fehlt eine Bäckerei! Die Übernahme des Bootes wurde vom Vercharterer professionell und zügig (sogar termintreu!) abgewickelt, so dass wir den Abend in Kos-Stadt gemütlich angehen können. Auffallend ist, dass in der Marina bis in die Nacht hinein der Wind heftig weht.

Nachdem wir einen Bummel durch den Stadthafen gemacht, die beeindruckende Johanniterfestung besichtigt und uns einen Eindruck von der dortigen Kneipenszene gemacht haben, gehen wir essen. Eines der besten und dennoch preisgünstigsten Restaurants ist das „Museum Restaurant“ in der Nähe des zentralen Marktplatzes in Kos-Stadt. Dort gefällt es uns gut und wir bleiben trotz großer Müdigkeit länger…

So. 03.06.2007 Am nächsten Morgen wollen wir zeitig aufstehen, um dem aufkommenden Wind in der Marina zu entgehen und gefahrlos auslaufen zu können. Wir stehen also gegen 07:00 h auf, Thomas holt Brötchen aus der Stadt, anschließend wird gefrühstückt. Wir verlassen die Marina gegen 08:00 h in Richtung Lakki auf Leros. Leider lässt uns der Wind heute im Stich und wir können nur etwa 1-2 Stunden unter Segeln fahren. Während dieser Segelphase reißt uns nördlich von Kalymnos die untere Befestigungslasche der Roll-Genua und wir müssen das Vorsegel einholen. Gegen 15:35 h erreichen wird den geschützten Hafen in Lakki auf Leros und machen an der nördlichen Kaimauer per Mooringleine fest. Danach versuchen wir, mit dem an Bord befindlichen ‚Sail-Repair-Kit’ die Lasche wieder vernünftig unten an die Genua anzunähen. Das kostet uns etwa 2,5 Stunden Zeit, ein paar abgebrochene Nähnadeln und ein paar mehr oder weniger heftige Einstiche in Finger und Hände. Die Arbeit sieht anschließend soweit ganz gut aus. Wir hoffen, mit dem so geflickten Segel über die Runden zu kommen.

    Marina Lakki auf Leros: Nachts einfach zu laut und mit einer Hafengebühr von 20,80 Euro nicht gerade günstig!

‘Olympia-Sporthalle’ in Lakki auf Leros

Nach getaner Arbeit muss sich der Skipper beim Hafenmeister melden, der uns sage und schreibe 20,80 Euro Hafengebühr abnimmt! Hierfür darf man die vorhandenen Strom- und Wasseranschlüsse sowie wirklich pieksaubere Toiletten und Duschkabinen benutzen. Vom Letzteren machen wir dann auch ausgiebig Gebrauch. Anschließend wollen wir noch einen Happen Essen gehen. Das gestaltet sich allerdings schwieriger als erwartet. Im ganzen Ort Lakki gibt es nur ein einziges Restaurant, welches wir nach einiger Zeit tatsächlich auch finden.

Das im Reisebericht aus dem Jahre 2000 beschrieben Restaurant direkt an der Marina ist inzwischen eine bei den ortsansässigen Jugendlichen angesagte Musik- und Billardkneipe. Für dort liegende Yachten ein echter Nachteil, denn man ist wirklich die ganze Nacht dem Motorlärm zahlloser aufgemotzter Motorroller und Motorräder sowie etlicher getunter Blechkarossen mit mehr oder weniger starken Stereoanlagen (sog. Fahrzeuge mit Bass-Antrieb) ausgesetzt, die die lange und breite Avenue dazu nutzen, sich selbst und ihre Fahrzeuge permanent zu präsentieren. Irgendjemand bemerkt noch: „Der Ort heißt Lakki, aber das gilt nicht für uns!“ Dem ist eigentlich nicht hinzuzufügen.Oder doch: O-Ton-Bichi: “Woanders werden Klaviere gestimmt, hier die Auspüffe!

Mo. 04.06.07 Nach einer mehr oder weniger schlaflosen Nacht verlassen wir Lakki gegen 08:40 h Richtung Skala auf Patmos. Allgemeiner Tenor: hierhin müssen wir nicht unbedingt wieder zurückkehren! Wir verlassen die Bucht von Lakki mit Ziel Skala auf Patmos. Leider spielt der Wind wieder nicht mit, so dass wir die ersten Seemeilen unter Motor fahren müssen. Um die Mannschaft fit zu machen für die nächsten Tage, werden nun in einem Crashkurs Seemannsknoten geübt. Nach etlichen Wiederholungen ‚sitzen’ dann aber  Palsteg, Schotsteg und Webeleinen einigermaßen sicher. Kurze Zeit später schwimmt ein Gruppe Delphine (Große Tümmler) direkt neben unserem Schiff her. Das größte Tier ist über 2 m lang und schwimmt so dicht am Schiff, dass man es beinahe streicheln kann. Faszinierend! Kurze Zeit später frischt der Wind etwas auf und wir können -endlich!- Segel setzen. Mit schönem Amwindkurs kreuzen wir Richtung Patmos auf und erhalten zum zweiten Mal Besuch von einer Gruppe von Delphinen. Gegen 13:30 h erreichen wir den Hafen von Skala und machen an der nördlichen Kaimauer fest. Dabei passiert uns das Missgeschick, dass wir unsere Ankerkette nicht genau genug ausrichten und über die Kette des Nachbarbootes legen. Das bleibt für den Moment aber noch ohne Folgen.

Skala auf Patmos, kleiner schöner Hafen, erkundungswürdige Insel ...

Seit kurzer Zeit herrscht strikte Helmpflicht auf Patmos mit der Folge, dass Helme für die Vermietung knapp werden. Konsequenz: nicht jeder Helm sitzt wie angegossen!

Nachdem das Schiff sicher vertäut ist, macht sich die Crew auf zum nächsten Rollervermieter und leiht sich für eine Inseltour Motorroller aus. Wir wollen hinauf zur Chora und dort die berühmte Johanniterfestung besichtigen und anschließend eine gemütliche Tour über die Insel Patmos machen. Der Rollervermieter am Yachthafen namens Floredis George weist uns darauf hin, dass seit zwei Tagen ein neuer Sheriff im Ort ist, der es sehr genau mit der Helmpflicht nimmt. Also setzen wir brav unsere Helme auf (sieht bei einigen Kameraden wirklich verboten aus -sh. Foto-) und fahren danach los. (Kosten 10,-- Euro pro Tag, versichert sind nur Schäden, die man anderen zufügt, Schäden am Roller selbst muss man selbst zahlen = sog. ‚Thirt Party Insurance’-). Als wir die Johanniterfestung erreichen, müssen wir erkennen, dass heute Montag und leider geschlossen ist. Das ist schade, dann kommen wir eben morgen früh wieder. Wir fahren weiter und wollen noch verschiedene Ankerbuchten ansehen.

Auf einer abgelegenen Straße Richtung Petra im Südwesten von Patmos kommt es dann zu einem tragischen Unfall. Unser Freund Sven versucht auf einer kleinen Brücke über einem ausgetrockneten Bachbett zu wenden, wobei er leicht vom geteerten Fahrbahnbelag ab kommt. Da zwischen Teerbelag und Abgrund nur eine etwas 10 cm breiter Schotterstreifen existiert und weder eine Leitplanke noch ein Geländer montiert ist, kann Sven den Sturz von der etwa 3 m hohen Brücke nicht mehr abwenden. Er schlägt genau zwischen dem mit scharfkantigen Steinen befestigten Hang und dem sandigen Grund auf. Hierbei zieht er sich erhebliche Verletzungen seiner linken Hand und eine Risswunde über dem linken Auge zu. Glücklicherweise gelingt es uns einigermaßen schnell einen Unfallwagen herbei zu rufen. Dieser schafft ihn in das kleine „Buschkrankenhaus“ auf Patmos, wo man ihn erstversorgt und röntgt. Anschließend wird er zur weiteren Behandlung in das größere Hospital auf Samos überstellt und mit einem eilig angemieteten Boot dorthin gebracht. Wir anderen sind geschockt und beschließen, die Unfallnachricht erst dann nach Hause zu übermitteln, wenn klar ist, welche Verletzungen sich Sven konkret zugezogen hat.

Eine der idyllischen ruhigen Ankerbuchten im Süden von Patmos

Auf dieser schmalen, ungesicherten Brücke kommt es zu einem folgenschweren Rollerunfall ...

In gedrückter Stimmung begeben wir uns noch zum Vermieter des beschädigten Rollers und wollen danach noch einen Happen essen gehen. Er macht uns erheblich zu schaffen. Wir sollen ihm den Schaden möglichst sofort und in bar ersetzen. Das lehnen wir aus verständlichen Gründen ab, versuchen aber, ihm bei der Regulierung des Schadens dennoch irgendwie behilflich zu sein. Wir bekommen heraus, dass Sven eine entsprechende Haftpflichtversicherung besitzt, die er aber erst zu Hause in Deutschland einschalten kann. Außerdem machen wir dem Vermieter klar, dass unsere erste Sorge unserem Freund und nicht seinem Motorroller gilt. Das sieht er schließlich ein. Wir machen noch Fotos vom beschädigten Roller und tauschen Adressen und Telefonnummern aus. Am kommenden Morgen wollen wir uns die Johanniterfestung näher anzusehen und vor allem auch Videoaufnahmen machen, die wir Sven später zeigen können. Nach dem Abendessen an der Hafenpromenade besichtigen wir noch den kleinen attraktiven Ort Skala. Pünktlich und geschafft geht die Crew heute in die Kojen.

Di 05.06.07 Etwa gegen 4:20 h wird unsere ‚Pelazi’ richtig durchgeschüttelt. Unser Nachbarboot mit seiner französischen Crew versucht abzulegen, hat hierbei aber unseren Anker gefangen und zerrt diesen mit sich. Also alles aufstehen, Ankermann Bichi nach vorn zum Anker, Dirk ans Ruder, Motor bereit und warten. Nach etwa 20 Minuten kann sich das Nachbarboot befreien, unser Anker hält wieder sicher.

Wie auch immer, gegen 08:20 h nimmt eine müde Crew ein Taxi und fährt für 5 Euro noch einmal zur Festung in die Chora. Auf dem Weg hält der Taxifahrer an und nimmt noch eine sehr attraktive Bekannte von ihm bis zur auf dem Weg liegenden Schule von Skala mit. Sie ist dort Lehrerin, hat wohl den Bus verpasst und bleibt auch in dieser Situation völlig entspannt. Das ist Griechenland, darum fahren wir so gern hierhin!

Blick vom Hafen Skala auf die Chora von Patmos mit der bekannten Johanniterfestung..

Blick auf den Hafen von Skala (Patmos). Im Vordergrund der einzige Kai für Kreuzfahrtschiffe, im Hintergrund der inzwischen verlängerte Kai für Yachten.

Die Festung selbst wird morgens um 08:30 h allerdings schon von amerikanischen Touristen belagert, die in der Nacht mit insgesamt drei Kreuzfahrtschiffen auf Patmos angekommen sind. Der Taxifahrer klärt uns auf: Die Kreuzfahrt-Touristen werden morgens um 06:00 h ausgeschifft, besuchen alle Sehenswürdigkeiten von Patmos und sind um 10:00 h zum Frühstück bereits wieder an Bord ihres Schiffes. Und das soll Urlaub sein? So etwas nennt man wohl eher Stress!

Nachdem wir die Johanniterfestung besichtigt und auch ein paar Videoaufnahmen gemacht haben, wollen wir nach Skala zurück und unser Boot klar machen. Ziel ist Samos, dort wollen wir unseren Freund im Krankenhaus besuchen und klären, wie es nun mit unserem Törn weitergeht. Aber wie kommen wir zurück zum Hafen? Wie immer, wenn man eines braucht, ist natürlich kein Taxi da. Aber wir haben Glück. Der Motorradverleiher Floredis George verdient sich etwas Geld hinzu und arbeitet an Tagen wie diesem als Busfahrer. Er und auch die freundliche Reiseleiterin des Kreuzfahrtschiffes ‚Perla’, eine nette Deutsche, nehmen uns freundlicherweise mit zum Hafen in Skala zurück. Im Bus machen wir Bekanntschaft mit einigen Texanern, die einen Trip „Europe in seven Days’ absolvieren. Ein ‚sportliches Ziel’, wie es so schön heißt!

Ein paar Besorgungen später machen wir unser Boot klar und verlassen Skala gegen 10:00 h. Es ist sehr diesig und leider wieder ziemlich Windstill. Erst gegen 11:15 h kommt etwas Wind auf, so dass wir Segel setzen können. Die Sicht bleibt allerdings sehr schlecht, so dass wir die Küstenlinie von Samos nur sehr schwer erkennen können. Mit 5 -6 kn. kommen wir jetzt ganz gut voran. In dieser Zeit kocht Thomas einen Cappuccino und bietet vom Bäcker mitgebrachte Teilchen an. Beim ersten Biss müssen wir leider feststellen, dass es sich nicht um die angekündigt Kuchenteilchen, sondern um mit einer Art Spinat gefüllte Blätterteigtaschen handelt. Die hätten uns sicher nicht einmal warm geschmeckt, kalt ging das gar nicht! Teures Fischfutter. Spontan bietet Thomas Svens Marsriegel an. Alle wieder glücklich! Als der Wind gegen 13:00 h wieder deutlich nachlässt und das Schiff weniger als 2 Knoten Geschwindigkeit macht, holen wir die Segel ein und starten den Motor erneut. Wir wollen aus guten Gründen nicht erst am Abend Samos erreichen. Die ruhige Fahrt nutzen wir zu einem Mittagessen aus Schinken, Salami, Tomaten, reichlich Knoblauch und Brot. Dazu gibt’s Rotwein aus dem Kanister. Gegen 15:00 h setzt auch noch Regen ein, der unser Bimini-Top durchdringt und damit wirklich lästig wird. Kurz nach 16:00 h erreichen wir den Hafen von Pythagrion (Südküste Samos) und machen dort mit einem perfekten Anlagemanöver fest. Inzwischen ist auch die Sonne wieder heraus gekommen und der Segeltag findet ein für uns versöhnliches Ende.

Patmos wird im Sommer von einer Vielzahl von Kreuzfahrtschiffen angesteuert, da die Insel  über eine Reihe von Segenswürdigkeiten verfügt (neben der berühmten Johanniter-Festung insbesondere die ‘Höhle der Apokalypse’ in der der Prophet Johannes nach der Überlieferung seine Weltuntergangsvision erfuhr).

Besuch im Krankhaus auf  Samos. Die gute Nachricht: Sven wird unter ärztlicher Begleitung zurück nach Deutschland geflogen und dort weiter behandelt.

Nach dem obligatorischen Anlegebier suchen wir uns ein Taxi und fahren nach Samos Stadt in das dortige Hospital. Unser verletzter Freund Sven liegt dort allein in einem 6-Bett-Zimmer und erklärt uns, dass es wohl am Dienstag oder Mittwoch in ärztlicher Begleitung nach Deutschland ausgeflogen wird. In der Medizinischen Hochschule Hannover soll dann seine linke Hand operiert werden. Die Chirurgen auf Samos trauen sich diese wohl ziemlich komplizierte Operation nicht zu. Wir verlassen Sven mit dem einigermaßen guten Gefühl, dass er hier gut aufgehoben ist und machen uns wieder auf den Weg zurück zum Boot in Pythagorion. Der Ort und insbesondere die ganze Hafenzeile ist inzwischen sehr belebt. Es sind offenbar überwiegend Briten, die hier Urlaub machen. Die Art der Bekleidung einiger Touristen und deren intensive Hautrötung deuten zumindest darauf hin (immer diese Vorurteile!) Nachdem wir, bis auf Thomas, allen zuhause von Sven’s Unfall und den einigermaßen glimpflichen Folgen berichtet haben, suchen wir uns ein nettes Restaurant und essen fürstlich.

Alle Restaurants des Ortes sind rappelvoll. Wir haben Glück, noch einen schönen Tisch ergattert zuhaben. Das Essen ist insgesamt sehr gut (Feta aus dem Ofen, griechische Hausmannskost, wie Stifado oder Moussaká oder ein Schwertfischfilet, alles super!!). Der Kellner bemüht sich, mit uns in Deutsch ins Gespräch zu kommen und gibt nach dem Essen auch noch einen Ouzo aus. Perfekt!! Interessant sind auch die anderen Gäste. So sitzt am Nebentisch ein etwa 2,5 Zentner schwerer Bolide, glatzköpfig, vollkommen tätowiert und mit Armen, die bei normalen Menschen Beine genannt würden. Begleitet wird er von eine eher zierlichen Ehefrau mit hübschem Gesicht und reichlich getunten Brüsten sowie zwei Töchtern, die ein Faible für Schwarzes zu haben scheinen. Trotz des ersten prolligen Eindrucks der Eltern verfügen beide Töchter aber über erstklassige und wirklich eindrucksvolle Tischmanieren. Wir stellen uns die Frage, was der Typ wohl beruflich macht. Jemand bemerkt, „der wird wohl Buchhalter sein“. Großes Gelächter!

Blick auf die Kneipengasse in Pythagorion im ‘alten’ Yachthafen. Beliebter Anlegeplatz in angenehmer Atmosphäre und nicht einmal zu laut!.

Einige Zeit später machen wir es uns im Cockpit unserer ‚Pelazi’ gemütlich, genießen den einen oder anderen ‚ Capt. Morgan spiced Rum’ mit Cola und die tolle Aussicht sozusagen mit den ‚Füßen in der Musik’ von Pythagorion. Ein paar Touristen machen einige Fotos von uns. Mit wem die uns wohl verwechselt haben mögen? Entgegen aller Erwartung ist die Musik der Kneipenzeile weder zu laut noch zu aufdringlich. Eigentlich ist es hier richtig schön, wenngleich der Anlass unserer Anwesenheit natürlich alles andere als das ist. Am nächsten morgen will uns Sven anrufen und den weiteren Verlauf seiner Behandlung und des Rücktransportes nach Deutschland mit uns besprechen. Wir gehen wieder mit einem besseren Gefühl in die Kojen und schlafen entspannt ein.

Mi 06.06.07 Nach einem für uns eher späten und gemütlichen Frühstück warten wir auf den Anruf von Sven. Wir rechnen damit, dass es heute, spätestens aber morgen von Samos nach Deutschland zurück transportiert wird. Wir wollen die Zeit nutzen und Thomas versucht gegen 09:45 h, Wasser für unseren leeren vorderen Tank zu organisieren. Die verantwortliche Dame in Pythagorion ist aber in anderer Angelegenheit unterwegs, wird aber, so der Hafenmeister in ca. 10 Minuten bei uns eintreffen. Jeder Segler in Griechenland weiß, was jetzt kommt. Nach weiteren 3 Vorsprachen und des zwischenzeitlichen Anrufes von Sven, der uns mitteilt, alles sei zu seiner Zufriedenheit geregelt und wir könnten ihn hier auf Samos unbesorgt zurücklassen, verlassen wir gegen 11:30 h Pythagorion ohne aufgefüllten Wassertank! Das Ablegemanöver erfolgt endlich einmal völlig fehlerfrei!

Der Vercharterer und Segelmacher Greg Tsaparikos (SamoSail) kann unser defektes Genuasegel reparieren. 

Kurze Zeit später bei etwa 5 Windstärken, setzen wir Segel. Bevor wir uns wieder auf Südwestkurs Richtung Lipso begeben, wollen wir noch die sog. Schwertfischbucht besichtigen. Dorthin werden jeden Morgen etliche Touristen mit mehr oder weniger kleinen Nussschalen transportiert. Soll ganz schön sein. Gesehen haben wir die Bucht dann aber doch nicht. Bichi bemerkte, dass unsere Flickerei an der Genua nicht hält und schon fast komplett wieder abgerissen ist. Wir holen das Segel ein und steuern erneut Pythagorion an, wo wir das Segel komplett abnehmen und zu einem örtlichen Segelmacher bringen.

Greg Tsaparikos, Inhaber und Selfmademan von SamoSail, einer Yachtcharterfirma auf Samos, nimmt die Genua und Dirk mit in seinem klapprigen Wagen zu sich nach Haus. Dort wird das Segel von Hand mit Holzklotz, Nagel sowie dicker Nadel und dickem Garn wieder in Stand gesetzt. Die Aktion dauert etwa eine dreiviertel Stunde. Anschließend gibt Greg noch ein Bier aus und bietet seine wirklich schönen Jeanneau-Charteryachten an. Sein Angebot ist wirklich interessant. Für seine Arbeit nimmt er mir (wohl eher symbolisch) 10,-- Euro ab. Dazu rät er uns noch, bei dem schönen Segelwetter trotz der Uhrzeit (es ist inzwischen 14:30 h) noch nach Agathonissi auszulaufen.

Eigentlich hat er ja recht! Wir ziehen die Genua wieder auf und bereiten uns bei leichtem Seitenwind auf das Auslaufen vor. Doch während Ankermann Bichi noch die Gangway an der Relingstütze befestigt und Dirk die achterliche Leeleine einholt, wirft Thomas die Luvleine unter dem Motto ‚Ich bin mit meiner Arbeit als erster fertig!’ los. Jetzt wird’s hektisch. Bichi sprintet nach vorn zum Anker, glücklicherweise ist hier alles vorbereitet, Dirk startet den Motor und versucht, möglichst ohne Karambolagen aus der Box zu kommen. Das gelingt schließlich auch. Nach dieser Aktion muss Thomas aber heute Abend einen ausgeben, das steht fest!

Wir verlassen Pythagorion gegen 14:50 h Richtung Agathonissi. Es wird noch ein schöner Segeltag bei herrlichem Wind (5 Bft.). Auf unserem Raumschotkurs legen wir die ca. 12 Seemeilen in gut zwei Stunden zurück. In dieser Zeit werden wir wieder von zahlreichen Delphinen begleitet. Gegen 17:00 h erreichen wir Agathonissi und überlegen uns nach einer kleinen Runde im Hafen des kleinen ‚Hauptortes’, ob es nicht ebenso schön wäre, in einer der kleinen Seitenbuchten zu ankern. Leider scheitern alle Ankerversuche am harten Untergrund (O-Ton irgendeines Machos, dessen Name nicht genannt werden darf: „weiblicher Anker, legt sich am Boden immer auf den Rücken”).

Der kleine Hafen von Agathonissi auf der gleichnamigen Insel.

Daher machen wir etwa eine halbe Stunde später am Fährkai längsseits fest. Heute abends kommt keine Fähre mehr, wir haben hier nichts zu befürchten. Thomas bereitet aus bekannten Gründen heute das Abendessen zu. Als Vorspeise gibt es einen Tomatensalat (es gibt eigentlich jeden Tag Tomatensalat!) und anschließend Spiralnudeln mit Thunfisch/Knoblauchsauce. Wie immer lecker! Danach erkunden wir den gesamten Ort und müssen nach diesen 10 Minuten feststellen: hier verpassen wir nichts! Anschließend nehmen wir noch den einen oder anderen Absacker und gehen um 22:45 h sehr pünktlich in die Kojen.

Do.  07.06.07 Nach einer ruhigen Nacht ist die Mannschaft am nächsten Morgen nur schwer zum pünktlichen Aufstehen zu überreden. Der Geruch von frischem Kaffee bringt die Crew aber gegen 8:10 h auf die Beine. Thomas versucht, Brötchen für das Frühstück zu kaufen, der Bäcker ist aber um 8:30 h schon ausverkauft! Für 4 Euro gibt’s aber noch die letzten beiden Croissants. Nach einem unbefriedigendem Ablagemanöver werden ohne die notwendigen Absprachen wieder zu früh Leinen losgeworfen, machen wir uns auf den Weg zur Insel Lipso, etwa 26 sm entfernt. Dort wollen wir einen Zwischenstop einlegen und endlich einmal im Meer baden. Mit nahezu halbem Wind (4-5 Bft.) kommen wir gut voran. Gegen 14:00 h erreichen wir die Bucht Ormos Sokoro nahe dem Hauptort Lipsi. Kurz darauf fällt unser Anker. Eigentlich lädt das türkisblaue Wasser der Bucht zum Baden geradezu ein. Allerdings pfeift ein kalter und böiger Wind durch die Bucht. Wir beschränken uns darauf, einen Kaffee zu trinken, die mitgebrachten Croissants zu verputzen und verzichten auf ein Bad.

Pandeli auf der Ostseite von Leros. Ein netter kleiner Hafen, der allerdings nur sehr wenigen Yachten Platz bietet. Alle anderen müssen im Hafenbecken oder in der westlich gelegenen Ankerbucht vor Anker gehen. Doch Vorsicht! Hier wimmelt es nur so vor ausgelegten Angelschnüren.

Gegen 14:40 h lichten wir unseren Anker und nehmen Kurs auf Pandeli an der Ostküste von Leros. Dort wollen wir die Nacht verbringen, bevor wir morgen zurück nach Kos schippern. Der Wind kommt platt von achtern, was bei der vorhandenen Welle ein eher unangenehmer Kurs ist. Wir entschließen uns daher, vor dem Wind zu kreuzen und wählen einen wesentlich angenehmeren Raumschotkurs. Dabei erreicht unsere ‚Pelazi’ eine Geschwindigkeit bis zu 9,2 kn über Grund. Nach zwei fehlerfreien Halsen nehmen wir um 16:40 h direkten Kurs auf Pandeli. Der Wind bläst inzwischen recht frisch mit gut 5 Bft. Als wir die Bucht von Pandeli erreichen, gehen wir in den Wind und wollen die Segel bergen. Bei der Genua erfolgt dies problemlos, das Großsegel allerdings lässt sich zunächst nicht einholen. Wir bemerken, dass die Leine zum Einholen über eine Winsch am Mast ins Cockpit geführt wird. Diese Leine ist aus der Führung gerutscht. Also ein Crewmitglied an den Mast um dort das Groß unmittelbar über die Winsch einzuholen. Das klappt!

Da wir im winzigen Hafen keinen Platz mehr finden, gehen wir in die westlich gelegene Ankerbucht. Hier liegt man gut geschützt vor nördlichen Winden. Anker fällt um 17:40 h. Der Ort macht einen sehr netten und gemütlichen Eindruck auf uns und wir beschließen, das Dingi klar zu machen. Nachdem wir das Beiboot aufgepumpt und den 2 PS-Motor montiert haben, geht es los. Am Motor lassen sich zwei Geschwindigkeiten einstellen: Hase und Igel (kein Witz), wie bei einem Rasenmäher halt. Wir entscheiden uns für ‚Hase’, weil wir es etwas eilig haben, endlich eine warme Mahlzeit zu bekommen. Bei einer Zuladung von drei Personen zieht dieser ‚Hase’ allerdings ‚keinen Hering von der Roste’, wie es so schön heißt. In Pandeli essen wir gut in einem der kleinen Strandrestaurants und sehen uns in dem kleinen Ort um. Der ist dann allerdings doch größer als wir angenommen haben. Gegen 21:30 h satteln wir den ‚Hasen’ und machen uns auf den Weg zurück zum Schiff. Der Wind ist immer noch nicht richtig eingeschlafen. Etwa 20 m vor dem Schiff will Dirk den Speed des Dingis drosseln. Dabei geht der Motor aus und lässt sich auch nicht mehr starten. (Wie wir morgen früh feststellen werden, hat sich eine Angelschnur um die Schraube gewickelt). Also, alle Mann paddeln!! Nach ein paar Absackern geht die Crew gegen Mitternacht in die Kojen. Es sollte eine kurze Nacht werden!!

Idyllischer Blick vom Strandrestaurant auf den kleinen Yachthafen von Pandeli

In einem der kleinen Strandlokale in Pandeli (Leros)

Gegen 1:30 h werden wir durch lautes Geklapper und gegen den Mast schlagende Fallen geweckt. Draußen hat der Wind gedreht und bläst inzwischen mit 24 kn (6 Bft.) aus östlicher Richtung. Wir stecken mehr Ankerkette und klappen die Sprayhood ein. Unsere Befürchtung, der Anker könne diesem Druck nicht standhalten, bewahrheitet sich glücklicherweise nicht.

Dennoch, man behält ein mulmiges Gefühl. Die ganze Nacht versuchen wir, schlagende Leinen zu fixieren und die gesamte Geräuschkulisse zu reduzieren. Obwohl uns dies einigermaßen gut gelingt, ist an ein Weiterschlafen nicht mehr zu denken. Als die Sonne gegen 06:00 h herauskommt und für etwas Thermik sorgt, lässt der Wind beinahe schlagartig nach. Wir nutzen die Gelegenheit, holen das Dingi an Bord und machen die ‚Pelazi’ für die Weiterfahrt klar. Danach haben wir die nötige Ruhe für ein kleines Frühstück.

Als wir gegen 8:10 h den Anker einholen wollen, haben wir eine Unmenge Angelschnur und einen Fisch gefangen. Wir befreien die Ankerkette von dem Angelschnurgetüddel und werfen den halbtoten Fisch zurück ins Meer. Unsere Sorge gilt der Schraube der ‚Pelazi’. Ist auch sie mir meterweise Angelschnur umwickelt? Diese Befürchtung ist zum Glück unbegründet. Gegen 8:25 h verlassen wir unseren Ankerplatz und setzen Kurs auf Kos-Stadt. Mit achterlichem Wind von 5-6 Bft. und einer etwa 2 m hohen Welle ‚eiern’ wir nach Süden. Als wir Kos gegen Mittag erreichen, bläst der Wind mit 6 Bft. 

Wir wollen zuerst die Tankstelle südlich der Marina anlaufen, um dort zu tanken. Dort deutet man aber Richtung Marina und wir drehen Richtung Marinaeinfahrt ab. Dort ist bereits um diese Uhrzeit richtig viel Betrieb. Einige Yachten drehen dort bereits Warteschleifen. Wir reihen uns ein. Plötzlich zeigt die Dieselanzeige einen leeren Tank an. Obwohl dies eigentlich gar nicht sein kann, machen wir vorsorglich unseren Anker klar. Dann endlich sind wir mit dem Tanken an der Reihe. Wir tanken rd. 65 l Diesel, was dem entspricht, was wir tatsächlich wohl verbraucht haben. Wir sind erleichtert! Offensichtlich kann die Tankanzeige nur zwischen ganz leer und ganz voll unterscheiden!

Während wir uns noch Gedanken machen, wie wir bei dem Wind vernünftig festmachen sollen, kommt auch schon ein Vertreter des Vercharterers und teilt uns mit, dass bei diesen Windverhältnissen Mitarbeiter der Marina das Boot übernehmen würden. Na ja, uns soll’s recht sein. Nach mehreren Anläufen (das ist wörtlich zu nehmen) machen wir gegen 13:40 h endgültig an unserem Liegeplatz in der Marina von Kos-Stadt fest. Für die Übernahme der ‚Pelazi’ wird eine Uhrzeit vereinbart und diese Zeit auch tatsächlich genau eingehalten! In der Zwischenzeit bereiten Thomas und Dirk einen 1a Greek Salad  mit Tomaten, Gurken, Oliven, Thunfisch, Feta, Zwiebeln und einer Menge Knoblauch zu. Eine Riesenportion, dennoch keine schwere Aufgabe für die ausgehungerte Crew. Bei der pünktlichen Abnahme gab es seitens der Vercharterers keine Beanstandungen. Wir weisen allerdings auf die fehlerhafte Tankanzeige und das Problem mit der Genua hin. Danach holt sich Dirk die Kaution zurück. Jetzt können wir in Ruhe duschen gehen und danach ab in die Altstadt von Kos.

Es geht doch nichts über einen selbst gemachten bunten Salat mit viel Knoblauch ...

Zu Fuß machen wir uns auf den Weg in die Altstadt. Zuerst wollen wir an der Platane des Hippokrates, also dort, wo dieser von rd. 1.580 Jahren Heilkunde unterrichtet hat, den ‚Hippokratischen Eid’ für unseren Freund Sven besorgen. Leider müssen wir feststellen, dass der kleine Shop heute Abend geschlossen hat. Das tut uns für Sven leid, aber vielleicht kommen wir ja demnächst noch einmal hierhin zurück. Also ab in unser bevorzugtes Esslokal, das ‚Museums-Restaurant’. Nach einem wirklich leckeren Essen erkunden wir Kos-Stadt etwas genauer. Irritiert sind wir über die doch weltweit so stark bekämpfte ‚Produktpiraterie’. Beinahe an jeder Ecke kann man hier nachgeahmte Produkte beinahe jeder Edelmarke kaufen.

Mit TUIFly von Köln/Bonn nach Kos für rund 170,-- Euro incl. warmer Mahlzeit. Da kann man wirklich nicht klagen!

Am Ende des Erkundungstrips landen wir in der Altstadt, wo wir uns bereitwillig von einem ‚Fänger’ in eine Kneipe lotsen lassen. Dort herrscht bis Mitternacht ‚Happy Hour’ (two national drinks for the price of one), wovon wir reichlich Gebrauch machen. Wir verleben insgesamt einen sehr schönen Abend. Gegen 2:30 h müssen wir angeblich plötzlich aufbrechen und kehren an Bord der ‚Pelazi’ zurück, wo wir noch einen gemütlichen Absacker zu uns nehmen. Dabei bemerken wir erst, dass niemand von uns für den kommenden Morgen ein Taxi bestellt hat. Sofort nimmt Reiseleiter Bichi die Sache in die Hand. Es gelingt ihm tatsächlich, noch ein Taxi für den kommenden Morgen (8:00 h) zu ordern. Dieses ist sehr pünktlich und bringt und nach kurzer Nacht zum Flughafen Kos. Dort vertrödeln wir noch die restliche Zeit, bis der TuiFly-Flieger mit etwa 40 Minuten Verspätung abhebt. Wir sitzen in der letzten Reihe und Thomas filmt und filmt und filmt. Nach der Landung in Köln/Bonn holen wir das Auto und fahren über Paderborn (Stau am Kamener Kreuz) nach Hause.

Ein nervenaufreibender, aber auch schöner und für alle Beteiligten überaus lehrreicher Törn geht damit zu Ende.

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